Geschichte

Sexcrimes! – Sex und Sexualmoral im Mittelalter, Teil 2: Vergewaltigung, Ehebund & Rechtssprechung – Geschichtskrümel 80

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Lesezeit: 10 Minuten Sex – der erste Schritt zur Apokalypse. Jedenfalls, wenn man christlichen Vordenkern wie Hieronymus glauben darf. Das keusche Mittelalter ist mehr Mythos als Wahrheit, auch wenn die Kirche eine Menge tat, um die „Geiselhaft der Genitalien“ zu bekämpfen. (Siehe auch den letzten Artikel zur christlichen Sexualmoral.) Nur, die Praxis sah anders aus. Die wenigsten Leute waren Mönche und Nonnen, und es gab Städte, deren Einwohnerschaft zu mehr als 10 Prozent aus Prostituierten bestand. Auch hat sich die Bevölkerung nach Krieg Weiterlesen

Geschichte

Sexcrimes! – Sex und Sexualmoral im Mittelalter, Teil 1: Moral, Scham & Buße – Geschichtskrümel 79

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Lesezeit: 10 Minuten „Alles anders, als man glaubt.“ Das Mittelalter war frei von Sex, homosexuelle Akte wurden bestenfalls in Kellern heimlich praktiziert, und Ehemänner benutzten seltsame Laken, um die nackten Körper ihrer Frauen abzudecken, die sie dann nur durch ein Loch kurz und nur widerwillig penetrierten? Klar, das passierte, denn jede Religion hat ihre Extremisten. Ebenso gab es auch Sextourismus, Bordelle in Kathedralen, Orgien in Frauenklöstern und de facto Eheschließung zwischen Männern. Tatsächlich änderte sich im Verlauf des Frühmittelalters und dann im Hoch- Weiterlesen

Geschichte

Reinheit und Sünde – Geschichtskrümel 78

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Lesezeit: 7 Minuten Eigentlich wollte ich heute meine Artikelserie zu Sex und Sexualmoral in der Geschichte weiterführen. Dabei stellte ich aber fest, dass ich den Artikel über das Mittelalter nicht schreiben kann, ohne vorher über die mittelalterlich-christliche Vorstellung von Sünde, Reinheit und Wiedergutmachung gesprochen zu haben, die sehr stark auf die jüdischen Konzepte zurückgreift. Der Unterschied kommt vor allem dadurch zustande, dass physische Buße durch Opfer etc. zunehmend durch spirituelle Buße ersetzt wurde. Gott straft! Das Konzept der „moralischen Vergeltung“ durch Gott ist Weiterlesen

Frühe Neuzeit

Waffenkunde 10: Messer und Dolche

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Lesezeit: 10 Minuten Keine Waffe wurde in größerer Zahl und Vielfalt hergestellt, als Messer und Dolche. Nach dem ersten Knüppel, dem spitz abgebrochenen Stock und dem Stein in der Faust war das Messer eine der ersten Waffen überhaupt. Alle Kulturen der Welt, auf allen Kontinenten, kannten Messer schon seit dem Anbeginn ihres kulturellen Gedächtnisses, und wir können Messer zurückdatieren bis in die Steinzeit. Vor allem aber waren Messer und Dolche den Großteil der Geschichte hindurch omnipräsent. Nahezu jeder hatte eines, gleich, welchen Geschlechts, Weiterlesen

Frühe Neuzeit

Die Hanse als Konfliktmanagement-System – Geschichtskrümel 63

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Lesezeit: 7 Minuten Die Hanse war, so der klassische Konsens, ein Zusammenschluss von Händlern und zugleich eine Organisation von Städten in Nordeuropa, vorrangig in der Nord- und der Ostsee. Ihre Händler agierten von Russland bis Italien, wobei sie die Vorteile der gemeinsamen Dachorganisation genossen, wie beispielsweise gemeinsame Rechte oder Niederlassungen in fremden Städten. Gut 70 größere und ca. 130 kleinere Städte waren Teil dieses Zusammenschlusses, der fast 500 Jahre Bestand hatte (vom 12. bis zum 17. Jh.). Nun ist die Hanse allerdings sehr Weiterlesen

Geschichte

Vom Kerker zum Gefängnis – mittelalterlicher Strafvollzug – Geschichtskrümel 60

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Lesezeit: 8 Minuten Kerkerzellen und dunkle Türme waren vielerorts noch das gesamte Mittelalter hindurch die Orte der Wahl, um Leute einzusperren. Doch ab ca. dem 13. Jh. änderte sich die Strafpraxis für soziale Abweichler und Verbrecher langsam von einer Doktrin der Auslöschung zu einer Doktrin der Einhegung. Das hieß nun nicht, dass die Todesstrafe oder die Verbannung verschwand. Beides blieb der Kern des Strafwesens! Jedoch professionalisierte sich der Strafvollzug in einigen Städten, sodass ab der Renaissance vielerorts so etwas wie eine geregelte Haft Weiterlesen

Geschichte

Kerker, Turm, Konvent – Haft im Mittelalter – Geschichtskrümel 59

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Lesezeit: 6 Minuten Gefangenschaft im Mittelalter. Das heißt doch Fußeisen, lange Ketten, elender Gestank, lachende Wachen mit hässlichen Visagen, schimmliges Brot und … Ja, nun unter anderem aber auch das Entlassen der Gefangenen während wichtiger Festlichkeiten und Feiertage. Besuche waren ebenfalls üblich, und einige Leute konnten sogar ihren Geschäften weiter nachgehen! Jedenfalls in einigen Städten. Film und Fernsehen haben leider keine gute Arbeit gemacht, mittelalterliche Gefängnisse zu erklären und zu zeigen. Vieles von dem, was es dazu an verfügbaren Vorstellungen gibt, welche wir Weiterlesen

Geschichte

Die Schriftlichkeit der Wikinger: Runeninschriften – Geschichtskrümel 56

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Lesezeit: 7 Minuten Die skandinavischen Völker fassen wir aufgrund ihrer Reisefreudigkeit und damit ihrer Fahrten weit übers Meer meist nur als „Wikinger“ zusammen (Wikinger von altnordisch vík – Fjord/Bucht; also jemand, der in den Fjorden unterwegs war). Zwar waren sie weit gereist, aber dennoch hatten sie keine ausgeprägte Schriftkultur. Die fleißige Schreibarbeit irischer Mönche oder die Kanzleischriften der fränkischen Könige waren im hohen Norden nicht wiederzufinden. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass die Institutionen, welche eine stärkere Schriftlichkeit beförderten, in Skandinavien erst Weiterlesen