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Sexcrimes! – Sex und Staat im alten Rom – Geschichtskrümel 76

Lesezeit: 13 Minuten

Rom wird in der Vorstellung oft mit zwei Dingen verbunden: marschierende Legionen, die unaufhaltsam die antike Welt für die Stadt am Tiber unterwerfen, und wilde Orgien. Sexuelle Freizügigkeit war im alten Rom tatsächlich weitverbreitet – aber immer wieder auch ein wichtiges Thema für den Staat, gerade auch wegen des ersten Punkts, der Legionen.

Genau wie in Griechenland, über das ich im letzten Artikel geschrieben habe, war Rom eine militaristische Gesellschaft, in der kriegerische Leistung ein zentrales Element der Bürgerschaft war. Ein römischer Mann, das war ein kämpfender Mann. Nur, anders als die Stadtstaaten Griechenlands hat Rom sehr lange existiert und sich aus der Zeit der klassischen Antike verändert hin zu einer Gesellschaft, die immer mehr durch das Christentum geprägt wurde. Wobei es im Frankenreich noch das gesamte Frühmittelalter hindurch dauerte, bis die Kirche ihre Rechtsordnung durchgesetzt hatte und das römische Recht wieder Einzug hielt. Den Einfluss von allem Römischen spüren wir zudem noch heute. Beispielsweise ist unsere Rechtsordnung angelehnt an die der Römer. Unsere Moral ist geprägt durch die römisch-christliche Kirche, und unsere mittelalterlichen Herrscher beriefen sich auf Ideale und Ideen, die sie auch in der für sie vorbildhaften Antike fanden.

Früher war alles besser – das römische Ideal

Die römische Gesellschaft war in ihren Idealen rückwärtsgewandt – während sie sich gleichzeitig in ihrem Einflussgebiet freizügig bei anderen Kulturen bediente.

Immer wieder kam es zu Klagen über den „Verfall der Sitten und der Moral“ – nicht immer allerdings wegen tatsächlicher Sorgen des guten Benehmens. Oft nutzten auch clevere Politiker und Machtmenschen einen Skandal aus, um neue Gesetze durchzupauken, unliebsame Konkurrenten bloßzustellen oder Macht und Einfluss zu konsolidieren, indem sie Ressourcen unter ihr Kommando rissen. Der Inhaber des einflussreichsten Amts, der Konsul, war schließlich immer nur auf ein Jahr gewählt. Sich durch rhetorische Brillanz und eine „noble Sache“ hervorzutun, für die man Stärke bewies, das hatte damals wie heute einen hohen Wert für einen gerissenen Politiker.

Schwache Männer, verkommene Frauen

Immer wieder wurde deshalb verglichen: Wo stehen wir heute, wo waren wir angeblich früher? Die idealisierte Vergangenheit Roms war diese: harte, mutige Männer errangen Siege für das Gemeinwesen, während ehrenvolle Frauen das Herdfeuer hüteten.

Die Armee rekrutierte sich in der Zeit der Republik aus den frei geborenen Männern und befand sich immer wieder in Kriegen. Das gewaltige Reich, das sich von Spanien bis in die Türkei erstreckte, an das wir uns heute erinnern, war noch keine gesetzte Sache. Mehrfach stand Rom vor der potenziellen Vernichtung. Nach solchen Niederlagen bestand stets eine gute Gelegenheit, um „mit einem Ruck“ den Staat wieder auf sein Ziel auszurichten.

Hetzjagden: Die Bacchanalien

Beispielsweise wurden nur kurz nach den schweren Kämpfen gegen Hannibal, der die Republik ja fast bezwungen hätte, die Bacchanalien verboten. Diese Festlichkeiten entstanden aus einem Bacchuskult, der die längste Zeit über orgienhafte Kulthandlungen vollführte und nur Frauen als feste Kultmitglieder aufnahm. Jedoch hatte er zur Zeit Hannibals (Schlacht von Cannae, 216 v.u.Z.) angefangen, auch vereinzelt Männer aufzunehmen, und es kam angeblich auch zu homosexuellen Akten, bei denen junge – freie! – Männer „verweiblicht“ wurden. Wäre der Kult weiterhin eine reine Frauensache geblieben, er wäre vermutlich erst in der Zeit der christlichen Kaiser durch den Staat reguliert worden.

Der Konsul Postumius warnte jedoch davor, dass der bis dato tolerierte Kult die römischen Männer – Krieger – korrumpierte, und der Senat stattete ihn zur Bekämpfung mit weitreichenden Vollmachten aus, die Hinrichtungen ohne Revision vorsahen. Zwei Jahre lang überzogen die Konsuln das Herrschaftsgebiet Roms mit einer Hetzjagd gegen die „Hurenböcke und Flittchen“.

Das römische Familienbild

Das lässt jetzt vielleicht den Eindruck aufkommen, dass die Römer sexuell repressiv waren – mitnichten. Die Ehe war in der Zeit der Republik nicht zwingend, um legitime Partnerschaften zu führen, und Scheidungen waren recht einfach. Ganz anders als später in der Zeit des Christentums. Sexuell leisteten Männer und Frauen sich das, was sie durchsetzen konnten. Wer zu sehr danebentrat, wurde bestraft. Oftmals vom eigenen Haushalt. Skandal und öffentliches Ansehen waren dabei die treibenden Kräfte, nicht Gesetze.

Die Ehe drehte sich eigentlich nur um das Zeugen von freien und würdigen Erben, denn Blutlinien waren den Römern sehr wichtig. Sklavenblut war eine Schande, würdige Vorfahren hingegen eine Zierde. Ansonsten trieben Männer und Frauen es gleichermaßen bunt. Frauen hatten ebenso Liebhaber wie Männer Verkehr mit Prostituierten und den Sklaven im eigenen Haushalt. Kamen Kinder dabei heraus – Pech für die Sklaven.

Der erste Kaiser greift ein

Augustus, der erste Kaiser Roms, war ebenfalls um den Erhalt der öffentlichen Moral und der freien Bürgerschaft bemüht, und zwar nun mit Gesetzen und dem züchtigenden Arm des Staates! Im Jahre 18 u.Z. führte er groß angelegte Reformen durch, die auch eine klare Idee hatten, wie sich römische Familien zu benehmen hatten. Alles unter dem Rückgriff auf das „eigentliche Wesen der Römer“ und die Stärkung römischer Sitte, Moral und einheimischer Religion.

Freie Männer über 25, die nicht heirateten und ihre Ehe nicht bis ins Alter von 60 erhielten, verloren ihr Erbe und wurden mit zusätzlichen Steuern belastet. Ehen, die kinderlos blieben, konnten nur einen begrenzten Teil ihres Besitzes vererben – da die Römer die Erfinder des Testaments waren, eine durchaus wichtige Sache. Allerdings sorgten seine Reformen auch dafür, dass es wieder mehr Ehemöglichkeiten gab, denn die augustinischen Gesetze legitimierten freigelassene Sklaven als Ehepartner für freie, aristokratische Römer. In Westeuropa dauerte es trotzdem noch knapp bis ins Jahr 900, bis sich die christliche Ehevorstellung vollständig durchgesetzt hatte.

Sex landete nun vor Gericht

Der Clou war allerdings, dass Augustus nicht nur die Macht hatte, all dies zu erlassen – gegen den Willen der Aristokraten –, sondern auch die Strukturen aufbaute, um es durchzusetzen. Statt Ehebruch und Sex zwischen den sozialen Klassen als Privatsache zu klären, gab es nun eigene Gerichte dafür.

Männer konnten sich weiterhin mit Prostituierten, Schauspielerinnen und Konkubinen herumtreiben. Bei unehelichem Sex mit Töchtern und Ehefrauen anderer freier Römer drohten nun aber die Verbannung auf eine Insel und der Einzug eines Großteils ihres Vermögens.

Private Rache ist ebenfalls reglementiert

Ähnlich wie in Griechenland früher auch schon wurde nun klar reglementiert, wer wen wann umbringen durfte! Erwischte ein Vater seine Tochter im Bett mit einem fremden Mann, dann durfte er den Liebhaber umbringen – sofern er auch seine Tochter tötete. Andere Antike Kulturen hatten ähnliche Regeln.

Ehemänner wiederum hatten kein Recht, den Liebhaber ihrer Ehefrau zu töten. Außer er war ein Schauspieler, ein Prostituierter oder ein Zuhälter. Was jedoch jedem erwischten Ehebrecher drohte, war, dass der Ehemann denjenigen – legal – vergewaltigte, von seinen Sklaven vergewaltigen ließ oder ihm die Hoden abschnitt, bevor er ihn des Hauses verwies (was selbstredend zum Tod durch Verbluten führen konnte.)

Der Staat lässt keine Wahl

Dazu sei gesagt, dass die meisten Männer nicht so kontrollsüchtig gewesen zu sein scheinen wie ihre Pendants im alten Griechenland. Affären gehörten zum Leben der Aristokratie. Jedoch sahen die neuen Gesetze vor, dass ein Mann seine Frau verstoßen musste, wenn er sie beim Ehebruch erwischte. Ansonsten drohte ihm die Anklage, ein Zuhälter zu sein!

Die Frauen wiederum wurden nach erfolgter Verurteilung zu Prostituierten erklärt, eine eigene soziale Gruppe, die zusammen mit Gladiatoren und Schauspielern die Klasse der infames bildete. Damit einher ging, dass sie die Toga einer Prostituierten tragen musste, die sie erkennbar kennzeichnete. Und, viel schlimmer, sie verlor neben ihrer Ehe auch ihr Erbrecht und die Möglichkeit, erneut innerhalb der Oberschicht zu heiraten. Damit war der soziale Abstieg quasi besiegelt.

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Prostitution

Ähnlich wie in Griechenland waren auch in Rom Prostituierte die längste Zeit legaler Teil der Gesellschaft. Marginalisiert, klar; besteuert, sowieso; von religiösen Zeremonien ausgestoßen, selbstredend; aber eben: legal. Viele waren zudem Sklaven, was sie natürlich weiter einschränkte.

Die Liste der Prostituierten

Etwas, das wir anderswo nicht finden, ist die bürokratische Fixierung des Prostituiertenstatus! Es gab eine Liste aller Prostituierten und seit den Gesetzen von Augustus auch eine spezielle Toga, die sie kennzeichnete. Die infames unterschieden sich von den respektablen Bürgerinnen vor allem dadurch, dass sie keinen Schutz auf körperliche Unversehrtheit genossen. Ihnen fehlte die dignitas (Würde) einer Bürgerin, die dafür Voraussetzung gewesen wäre. Eine ähnliche Unterscheidung bei den Strafen nahmen übrigens auch die germanischen Völker vor. Unfreie wurden dort gezüchtigt, wer stattdessen in der Ständegesellschaft weiter oben stand, zahlte Geldstrafen.

Sexuell wiederum hatten Prostituierte oftmals mehr Freiheiten als ihre Kunden. Sogar so weit, dass reiche Frauen hin und wieder Neid auf das freie und orgiastische Leben von Prostituierten äußerten. Es gibt auch Berichte über einige Edelfrauen – unter anderem mehrere Töchter von Kaisern –, die es als Prostituierte wild trieben. Das propagierte Ideal der ehrenvollen, keuschen Frau, die sich lieber in ihr eigenes Messer stürzte, als sexuelle Schande zu erfahren, war anscheinend nicht allzu nahe an der gelebten Realität.

Steuern – erst das Geld, dann die Moral

Die Steuer auf Prostitution, die im Jahre 40 eingeführt wurde, blieb im Übrigen noch bis 498 ein Teil des Einkommens der Kaiser. Auch wenn die christliche Kirche zu dieser Zeit die Unzucht schon zwei Jahrhunderte lang angeprangert hatte. Kleine Notiz dazu am Rande: Die Steuer wurde nach ihrer Einführung bald schon von Soldaten eingezogen, statt wie üblich von Steuerpächtern. Die Soldaten wussten nämlich sehr genau, wo die Prostituierten der Stadt zu finden waren. Schließlich waren sie selbst einige ihrer besten Kunden.

Die Kriminalisierung der Prostitution

Konstantin, der große Christianisierer, verbannte während seiner Herrschaft im 4. Jh. das Sexgewerbe in einen Rotlichtbezirk. Er schloss Aristokraten zudem von Würden und Ehren aus, wenn sie sich mit Prostituierten herumtrieben.

Erst der gläubige Kaiser Justinian verbot dann um das Jahr 500 jedwede Prostitution in der Hauptstadt Konstantinopel, ließ die Zuhälter aus der Stadt peitschen, befreite versklavte Prostituierte und eröffnete ein eigenes Kloster, um ehemalige Prostituierte zu „retten“ – notfalls auch gegen deren Willen.

Das erste Verbot von Prostitution betraf allerdings die Arbeit männlicher Prostituierter. Kaiser Marcus Julius Philippus verbot in der ersten Hälfte des 3. Jh. die männliche Prostitution, als er einen Stricher sah, der seinem Sohn ähnelte. Die Praxis wurde allerdings nicht effektiv bekämpft und existierte noch lange weiter.

Männliche Homosexualität im alten Rom

Grundsätzlich war es zur Zeit der alten Republik ähnlich wie in Griechenland kein Problem, Sex mit Männern zu haben. Es galt dieselbe Logik wie bei den Griechen: Wer empfing, wurde feminisiert, wer penetrierte, der war fein raus. Kurz: Es war nicht angesehen, aber es war kein Problem, höchstens die Ursache für Tratsch. Die meisten der Kaiser hatten irgendwann mal Sex mit Männern. Solange die Diskretion gewahrt blieb oder man sich an Sklaven und Prostituierte hielt, war alles prima. Das änderte sich auch erst mit dem Erstarken des Christentums.

Ein großer Unterschied zu Griechenland findet sich übrigens bei der paiderastia – dem Sex mit Knaben. Wo in Hellas junge Burschen Patronageverhältnisse mit älteren Männern eingingen, bei denen es auch um Sex ging, war der Verkehr mit jungen freien Römern absolut tabu. Selbst ihnen auf der Straße zu folgen, war ein Vergehen, und viele trugen ein Amulett in Form eines erigierten Penis, das klarstellte, dass sie off limits waren. Penisamulette galten auch als wirksamer Schutz gegen den bösen Blick, und sogar der römische Staat selbst verfügte über einen prächtigen symbolischen Penis, den fascinus populi Romani, den die Vestalischen Jungfrauen hüteten.

Das Christentum und der Wandel der Verhältnisse

Das vorchristliche Griechenland und Rom unterschieden sich also gar nicht so sehr in ihrem Verhältnis zu männlicher Homosexualität. Mit dem Erstarken des Christentums änderte sich das allerdings. Homosexualität, das war nun untrennbar verbunden mit Paganismus und Sünde. Es dauerte nicht lange, bis Schwulsein zumindest ein Makel war, und die Rhetorik veränderte sich bereits unter Konstantin hin zu einer Sprache, die klarstellte, was man davon hielt: Männer, die mit Männern Sex hatten, die verdarben ihren Körper und ihre Seele.

Es war jedoch ein Vorfall in Thessaloniki, der die Weichen für über 1500 Jahre Unterdrückung von Schwulen im christlichen Westen stellte.

Das Massaker im Hippodrom

390 wurde die Stadt Thessaloniki von einer Garnison gotischer Soldaten des römischen Kaisers Theodosius kontrolliert. Eines der ersten christlich inspirierten Gesetze gegen Homosexualität war seit Kurzem in Kraft, und das gab den Goten, denen Homosexualität zuwider war, einen Anlass, etwas zu unternehmen. Das Gesetz war mehr Rhetorik als klare Rechtsordnung – aber es war nun einmal ein kaiserliches Gesetz und darum als Vorwand allemal gut.

Die Goten verhafteten einen erfolgreichen Wagenrennfahrer, einen Liebling der Massen, der allerdings weithin als schwul bekannt war. Bei den jährlichen Rennen im Hippodrom der Stadt fehlte nun der Fan-Favorit, und Butheric, der Kommandant der Garnison, verweigerte den 100‘000 Zuschauern ihren Wunsch, den Rennfahrer doch teilnehmen zu lassen. In der Folge entluden sich die bereits lange existierenden Antipathien gegenüber den Goten. Es kam zu Unruhen und Aufständen, bei denen die wütenden Festteilnehmer durch die Stadt zogen und Butheric verstümmelten, töteten und mit seiner Leiche durch die Stadt paradierten.

Des Kaisers Rache

Theodosius, der für Stimmungsschwankungen bekannt war, reagierte zornig. Beim nächsten Festspiel verschloss die verstärkte Garnison das Hippodrom und massakrierte die Zuschauer. Mindestens 7000 kamen dabei um.

Diese Untat schockierte das gesamte römische Kaiserreich, und Theodosius, der ein gläubiger Christ war (aber deswegen noch lange kein guter Mensch), war entsetzt über seine eigene Tat. Hier trat nun der umtriebige Bischof von Mailand auf den Plan. Ambrosius (später heiliggesprochen) wusste, wie man den Kaiser manipulieren konnte. Er verweigerte ihm die Eucharistie, wenn dieser keine Buße tat. Theodosius verbrachte die nächsten 8 Monate in einfacher Kleidung damit, in der Kathedrale zu klagen und zu beten. Danach erhielt er die Kommunion, und seine Seele war gerettet – die Kirche jedoch hatte gewaltiges Prestige in diesem Machtkampf zwischen Klerus und Kaiser angesammelt.

Ambrosius überzeugte den Kaiser in der Folge, Paganismus zu bekämpfen und das Christentum zur einzigen Religion des Kaiserreichs zu erheben. Das Gesetz, welches zu den Unruhen geführt hatte, war unbeliebt gewesen; aber nun blieb es dank Ambrosius erhalten, und weitere Gesetze kamen dazu. Es dauerte kaum ein Jahrhundert, bis das Christentum und die christliche Sexualmoral die Gesetzgebung hier vollständig vereinnahmt hatten.

Justinians blutige Moral

Spätestens mit Kaiser Justinian, der ja auch die Seelen der Prostituierten retten wollte, nahm die Moralwende ihr Ende. Anfangs verfolgte er nur Homosexualität im Klerus und richtete Priester und Bischöfe, die bei schwulen Akten erwischt wurden, hin.

533 legte er dann allerdings richtig los und stellte das „Vollziehen von Akten wider die Natur“ unter die Todesstrafe, wenn keine Abkehr und Sühne stattfand. Oftmals starben die Verdammten dadurch, dass man ihnen die Hoden abschnitt und sie ausbluten ließ – ein grausiger Tod. All das war nun allerdings damit begründet, dass Homosexualität nicht einfach nur illegal war – es war ein Akt gegen den Willen Gottes. Die Strafe der römischen Justiz lediglich das Mittel, diesen Willen durchzusetzen.

… oder doch Unmoral?

Bei aller Christlichkeit von Justinian und seiner Frau Theodora nutzte der Kaiser die neuen Gesetze gegen Homosexualität und widernatürliche Sexualpraktiken natürlich auch politisch. Reihenweise schaffte er sich damit verfeindete Aristokraten vom Hals, die er über andere Vergehen nicht vor Gericht zerren konnte. Die Homosexualität war darum auch eine Art Gummiparagraf.

Nur waren die Gesetzessammlungen des Justinian, der sogenannte Codex Iustinianus, unheimlich prägend für die westliche Welt. Noch Jahrhunderte später bezogen sich Rechtsgelehrte auf dieses Werk, das die Richt- und Rechtssprüche aus Hunderten von Jahren römischer Rechtsordnung sammelte, aufbereitete und zugänglich machte. Das galt selbstredend auch für das Thema der „christlichen“ Gesetzgebung zu Sex und „Perversion“, die darüber das Denken der Juristen und Theologen des Mittelalters beeinflusste.

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Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Sie soll Autoren, Spielern und Spielleitern als Anregung dienen und Inspiration fürs Rollenspiel oder Geschichten bieten. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quellen

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