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Alltagsleben in London um 1750 – Pound & Penny, was ist Geld wert? – Geschichtskrümel 71

Lesezeit: 5 Minuten

Der Geldverleiher bei der Arbeit

In der Themenserie „Alltagsleben in London“ haben wir viele Themen gestreift. Wie die Stadt aussah, wie die Leute lebten, wie die Bewohner der überfüllten Metropole sich bewegten und auch wie ihre Gesundheitsversorgung aussah. Immer wieder erwähnte ich dabei Preise von Dingen, z.B., was eine Perücke wert war und was es kostete, eine Kutschenfahrt zu buchen.

Zum Abschluss möchte ich darum noch einmal einen Einblick geben in die Wirtschaft von London im 18. Jh., indem ich einen Überblick über einige Preise in der ersten Hälfte des 18. Jh. geben. Aus diesem kleinen „Warenkorb“ solltest du ungefähr herauslesen können, was viel und was wenig Geld war. Aber eben auch, warum arm tatsächlich richtig arm war und reich tatsächlich richtig reich.

Englisches Geld zu dieser Zeit

Alle Preise sind in Pfund (£), Shilling (s) und Penny (d). Warum d? Die Abkürzung d für Penny kommt noch vom römischen „Denarius“, dem der Penny ursprünglich nachempfunden war. 12 Penny sind hier 1 Shilling, und 20 Shilling sind 1 Pfund. Kurz: 1 Pfund = 240 Penny. Seit dem „Decimal Day“ 1971 ist das Pfund dezimalisiert und 1 Pfund entspricht heute 100 Pence!

Übrigens: Das Pfund war nicht als Münze geprägt, und der Shilling war zu dieser Zeit regelmäßig kaum verfügbar oder von mieser Qualität, weil über die Jahre Silberanteile abgeschnitten oder abgefeilt worden waren. Ein Grund, warum eine Geldwaage für jeden Geschäftsmann ein wichtiges Arbeitsgerät war. Viele Leute bezahlten also entweder in Banknoten (selten und nur bei großen Beträgen) oder im Alltag in Penny. Größere Beträge wiederum eventuell in Guinea (sprich „Ginni“), einer Goldmünze, die etwas wertvoller war als ein Pfund (meist ca. 21 Shilling bis 21,5 Shilling). Vielfach wurde auch einfach Schuld gegen Schuld verrechnet, anstatt dass man Bargeld benutzte. Allgemein gab es Unmengen verschiedene Münzen, weit mehr als heute üblich.

Ein Zwei-Guinea-Stück von 1702 zum Beginn der Herrschaft von Queen Anne. Goldmünzen ersetzten zu dieser Zeit den bisherigen Silberstandard, da die Münzqualität des Shillings nicht mehr zuverlässig genug war.

Einkommen

Fangen wir mit dem Einkommen an! Der Unterschied zwischen einem Handwerksmeister und einem einfachen Arbeiter ist scheinbar gar nicht so groß – praktisch aber gewaltig. Die Ausgabenverteilung war noch ähnlich wie im Mittelalter, denn sie änderte sich erst ab ca. 1800 deutlich, als die industrielle Revolution richtig Fahrt aufnahm.

Ausgabenverteilung eines mittelalterlichen Haushaltes.

Zu dieser Zeit waren die Löhne in England recht hoch. Ein Arbeiter verdiente ca. das Vierfache des Subsistenzeinkommens, also der Menge Geld/Lebensmittel, die er brauchte, um über den Tag zu kommen. Das war übrigens auch die Ursache für die industrielle Revolution, die Mitte des 18. Jh. langsam begann! Die hohen Löhne machten es attraktiv in technische Lösungen zu investieren, welche einmalige Kapitalaufwendungen benötigten, anstatt laufende Kosten wie Löhne zu finanzieren. Die hohen Löhne, das verfügbare Kapital und die Kohlebergwerke waren wichtige Grundlagen, damit die Industrialisierung ausgerechnet in England begann und nicht woanders.

Frauen verdienten im Allgemeinen ca. 50% weniger als Männer, was auch an den ihnen zur Verfügung stehenden Jobs lag und an der Menge an möglicher Arbeitszeit. Bei vielen Jobs wie z.B Soldaten oder auch Seeleuten gingen wiederum Kosten von ihrem Gehalt ab für Ausrüstung o.Ä.

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Verschiedene Einkommen:

  • Seemann: 1£ 15s pro Monat
  • Schiffsjunge: 2£ 10s pro Jahr
  • Soldat, Private (of Foot): 8d pro Tag (hohe Abzüge!)
  • Soldat, Private (of Horse): 2s 6d pro Tag
  • Soldat, Colonel (of Foot): 1£ 4s pro Tag

Handwerker (meist mit Zugeld für Bier und Essen von ca. 4 Pence):

  • Dienstmädchen in einem Haushalt: 1£ 13s 4d pro Jahr, zzgl. Unterkunft, Verpflegung und Kleidung. (Mehr dazu auch bei den Plantagen von Barbados.)
  • Einfacher Hausknecht: 2£ pro Jahr, zzgl. Kost & Logis.
  • Magd/Hausdiener: 10£ pro Jahr, zzgl. Kost & Logis
  • Arbeiter (z.B. auf dem Bau): 1s 2d pro Tag
  • Hilfsarbeiter: 9d
  • Steinmetz, Meister: 2s 4d pro Tag
  • Tischler, Meister: 2s 1d pro Tag
  • Fliesenleger/Dachdecker: 1s 5d
  • Klempner: 3s pro Tag.

Wohnen

Man wohnte entweder zur Miete oder kaufte Häuser. Selten einmal erwarb man dabei auch das Land, auf dem das Haus stand.

  • Illegale Bruchbude, 4–5 Betten pro Zimmer: 2 Penny pro Nacht und Person oder 3 Penny für ein Paar
  • Miete für einen möblierten Raum: 2s pro Woche
  • Miete allgemein: ca. 10–20% des Einkommens
  • Miete für ein hübsches Haus pro Monat: 10£ 10s pro Monat
  • Miete für ein nobles Haus im Grosvenor Square: 300£ pro Jahr
  • Bürgerliches Eigenheim mit fließend Wasser und Salon: 600–700£ Kaufpreis
  • Nobles Haus für den Adel: 3500–7500£ Kaufpreis
  • Haus von Earl Granville: 15’000£ Kaufpreis (vermutlich voll eingerichtet)

Lebensmittel & Haushalt

  • Genug Gin, um sich zu betrinken: 1d
  • Tagesration Feuerholz, Kohle und Kerzen für eine ärmliche Familie: 1d
  • Mittagessen (Brot, Käse, Bier) für einen Handwerker: 3d
  • 1 Pfund Brot: 1d
  • 1 Pfund Butter: 8–10d
  • 1 Pfund fetter Speck: 10d–1s
  • 1 Fass Austern: 3s 3d
  • 1 Pfund Trinkschokolade: 5s
  • 1 Pfund Kaffee: 5s 6d
  • 1 Pfund Tee (abhängig von der Qualität): 7s 6d–16s
  • Rüschen für das Bett der Königin: 3780£

Kleidung

  • 1 Pfund Puder für die Perücke: 5d
  • Kleid für eine arbeitende Frau: 6s 6d
  • Seidenstrümpfe für einen Herrn: 17s 4d
  • Perücke: 10s 6d–1£ 15s
  • Anzug für einen einfachen Mann: 1£ 12s 6d
  • Samthosen: 1£ 10s
  • Anzug für einen Beamten: 4£ 10s

Dienstleistungen & Gebühren

  • Brief (80 Meilen), zahlbar durch den Empfänger: 3d
  • Lizenz, um eine Sänfte (sedan chair) betreiben zu dürfen: 5s pro Jahr
  • Lizenz, um eine Hackney Coach betreiben zu dürfen: 5s pro Woche
  • Sänfte, erste Stunde: 1s
  • Sänfte, jede weitere Stunde: 8d
  • Hackney Coach (Taxikutsche), erste Stunde: 1s 6d
  • Hackney Coach (Taxikutsche), jede weitere Stunde: 1s
  • Reinigung für einen Mantel: ca. 2s
  • Tanzunterricht, 1 Monat: 2£ 2s
  • Transplantation eines Zahnes: 10£ 10s

Allerlei

  • Silberne Taschenuhr: 5£ 5s
  • Schwarzer Sklavenjunge (beliebt in Haushalten): 32£
  • Lotterieticket: 42£
  • Kutsche: 77£ 16s
  • Matrosenanteil des Prisengeldes für das Erbeuten des Schiffes Hermione: 485£
  • Kapitänsanteil des Prisengeldes für das Erbeuten des Schiffes Hermione: 64000£

Waffen

  • Muskete: 17s
  • Muskete mit Bandolier, Kugelzange etc.: 1£ 6s
  • Munition (Blei), ca. 30 Schuss: 1,5d
  • 1 Pfund Schwarzpulver: 1s 4d
  • Schwert: 1£ 15s
  • Ein Paar passable Pistolen: 2£ (deutlich mehr je nach Qualität)

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Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Sie soll Autoren, Spielern und Spielleitern als Anregung dienen und Inspiration fürs Rollenspiel oder Geschichten bieten. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quellen (und weitere, nicht gelistet):

  • Allen, R. C. (2011). Global Economic History. A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press.
  • Picard, L. (2003). Dr. Johnsons London. Everyday Life in London 1740–1770. London: Weidenfeld & Nicolson.
  • Seymour, R. (1735). A Survey of the Cities of London and Westminster, Borough of Southwark, and Parts Adjacent. Bd. 2. London.
  • Foto 2 Guinea Stück by x70tjw (Flickr) / CC BY-SA
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