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Sail Ho! Rollenspiel auf See, Teil 5 – Schiffstypen

Lesezeit: 13 Minuten

Querschnitt eines Schiffes, Coverimage

Das Schiff ist einer der wichtigsten Charaktere einer Seefahrtskampagne. Aber was für (Segel-)Schiffstypen gibt es überhaupt? Das haben uns einige unserer Leser in Leserbriefen gefragt, und diese Frage will ich daher auch, so gut es geht, beantworten. Ganz einfach ist es nämlich nicht. Darum erst einmal ein kurzer Einblick in Segel- und Bugformen, und danach gibt’s eine kleine Liste von archetypischen Schiffen.

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Die Problematik der Typisierung bei Schiffen liegt vor allem darin, dass es unzählige, unterschiedliche Methoden gibt, nach denen man ein Schiff klassifizieren kann. So zum Beispiel Rumpfform, Art des Antriebs, Zweck des Schiffes und vieles, vieles mehr.

Manche Bezeichnungen definieren Kombinationen verschiedener Elemente, andere implizieren sie zumindest. Eine Bark ist beispielsweise ein Schiff mit drei oder vier Masten, bei dem alle bis auf den hintersten Mast mit Rahsegeln getakelt sind, der hinterste Mast hingegen mit einem Schratsegel ausgestattet ist. Eine Bark kann gleichzeitig eine Galeone sein, denn die Bezeichnung der Galeone bezieht sich auf Schiffe spanischer Bauart, die über ein Galion verfügen, eine vorspringende Bugplattform, die den Umgang mit mehr Sprietsegeln erleichtert. Aber auch eine holländische Fleute kann ein Galion haben. Überhaupt hatten irgendwann sehr viele Schiffe Galions, waren deshalb aber noch lange keine Galeonen. Mächtig verwirrend, nicht wahr?

Damit es nicht ganz verwirrend bleibt, stelle ich hier einfach mal fest, dass man über Segelschiffe ganze Bücher schreiben und lesen kann. Allen, die wirklich genau wissen wollen, was es so alles an Schiffstypen gibt, rate ich zum Kauf von Fachliteratur und zum Besuch eines Marinemuseums. In diesem Artikel möchte ich vor allem jenen, die das explizit nicht auf sich nehmen möchten, einen guten Überblick verschaffen, damit sie Rollenspielabenteuer auf See spielen können!

Segelarten

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Segeln und daher auch zwei Haupttypen von Segelschiffen. Eckige Segel, die quer zur Rumpfachse eines Schiffes getakelt sind, bezeichnet man als Rahsegel, nach dem Querbalken, der sogenannten Rah, an der sie befestigt sind. Dreieckige Segel, die längs zur Schiffsachse getakelt sind, heißen Schratsegel. Daher gibt es, als Haupttypen, Rahsegler und Schratsegler.

Rahsegel sind besonders gut, wenn ein Schiff den Wind im Rücken hat. Sie sind außerdem einfacher zu steuern und mechanisch weniger kompliziert.

Schratsegel hingegen ermöglichen es, besonders eng am Wind zu segeln, also quer zur Windrichtung. Sie sind theoretisch wendiger als Rahsegler, erfordern dabei aber mehr Arbeit und eine erfahrene Mannschaft.

Die meisten Schiffstypen sind weder lupenreine Rahsegler noch reine Schratsegler, wobei es für beides natürlich wie immer Ausnahmen gibt. Besonders sehr kleine Küstenschiffe und Boote sind oft reine Schratsegler, weil sie die Vorteile eines Rahsegels ohnehin nicht nutzen würden, die Vorzüge der Schratbesegelung hingegen nahezu konstant genießen.

Rah auf der Route, Schrat an der Küste

Allgemein kann man sagen, dass Routenschiffe fast immer dominant mit Rahsegeln ausgestattet sind. Dabei handelt es sich um Schiffe, die ihre Fahrrouten so wählen, dass sie so weit wie möglich immer den Wind im Rücken haben.

Eine klassische Route dieser Art war der Dreieckshandel: Mit dem Wind (und diversen Handelswaren) ging es von Europa nach Afrika, von dort (mit Sklaven) mit dem Wind weiter in die Karibik und nach Amerika und von dort dann (den Rumpf voller Baumwolle und Zucker) zurück nach Europa. Da ein Schiff auf dieser Route stets den Wind im Rücken hatte, waren diese Schiffe vorwiegend mit Rahsegeln ausgestattet.

Küstensegler sind hingegen fast immer Schratsegler oder zumindest vorwiegend mit diesem Segeltyp ausgestattet. Arabische Schiffe des Mittelmeerraumes waren beispielsweise fast immer ausschließliche Schratsegler.

Je mehr Segel, desto besser

Ein häufiger Irrglaube ist, dass große Schiffe langsamer wären als kleine Schiffe. Das mag für heutige Schiffe gelten, aber für Segelschiffe könnte es falscher kaum sein. Je größer ein Schiff ist, desto höher sind seine Masten und desto mehr Masten kann es tragen. Viele und hohe Masten bedeuten viel Tuch im Wind, und das führt zu hoher Antriebskraft. Ein kleinerer Schratsegler mag einen größeren Rahsegler überholen, wenn beide eng am Wind segeln, aber mit Rückenwind fährt der große Rahsegler dem kleineren Schiff davon.

Aus diesem Grund sind auch die meisten Kriegsschiffe mischbesegelt und verfügen über gerade so viele Schratsegel, wie nötig sind. Vor allem aber brauchen sie viele Rahsegel, denn nur mit Rahsegeln kann man segelnd auch gut kämpfen. Erstens braucht man die Mannschaft im Kampf nämlich an den Kanonen statt in der Takelage. Zweitens aber können Schiffe bei Kämpfen auf offener See sich aussuchen, in welche Richtung sie segeln möchten. Wer einem Gegner einfach nur entkommen will, der nimmt den Wind in den Rücken und segelt davon. Das geht am besten mit Rahsegeln.

Im Kampf selbst ist es wiederum von Vorteil, wenn man selbst die Geschwindigkeit kontrolliert. Auch hier ist es daher besser, ein vorwiegend rahgetakeltes Schiff zu haben und dafür einfach den Zeitpunkt und den Ort des Gefechts sorgsamer zu wählen. Notfalls fährt man erst am Ziel vorbei oder drum herum und kommt dann mit dem Wind im Rücken zurück.

Bei alldem ist aber noch zu beachten, dass auch die Materialien mitspielen müssen. Frühmittelalterliche Schiffe waren recht langsam und behäbig, nicht, weil die Erfinder einfallslos oder die Segler unfähig gewesen wären. Die Qualität von Tauen und Segeltüchern war schlichtweg schlechter, als sie es im Spätmittelalter oder gar in der Renaissance gewesen ist. Bestimmte Schiffstypen können daher nur existieren, wenn die technologischen Voraussetzungen auch erfüllt sind.

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Schiffs-Archetypen

Ein Schiff kann gleichzeitig verschiedene Bezeichnungen tragen, und ein Nautik-Spezialist kann daraus eine Menge an Informationen ableiten. Allerdings benötigt ein solcher auch keinen Übersichtstext über Schiffe, der wiederum kaum das Maß an Informationen liefert, mit denen man seine Fragen beantworten könnte.

Wenn du einen Spieler in der Gruppe hast, der sich richtig gut auskennt, dann bitte ihn doch einfach, bei der Ausgestaltung zu helfen und die technischen Lücken zu füllen. Für alle anderen jedoch will ich ein paar Schiffs-Archetypen beschreiben, die ohne entsprechendes Fachwissen verwendbar sind.

Der Küstenhändler – Mal eben schnell nach Antwerpen?

Ein kleines Handelsschiff mit zwei Masten. Beachte auch den Kontrast zum deutlich größeren Handelspott dahinter.

Die meisten Küstenhandelsschiffe verbringen mehr Zeit damit, im Hafen zu liegen und Fracht zu löschen oder aufzunehmen, als dass sie auf See wären. Das liegt daran, dass die Distanzen, die sie fahren, eher gering sind. Von London nach Antwerpen segelt man einen Tag. Die Fracht zu löschen und aufzunehmen, kann hingegen leicht doppelt so lange dauern. Außerdem braucht die Mannschaft ja auch Pausen. Bei kleinen Schiffen und kurzen Routen mehr als bei langen Strecken. Be- und Entladen ist nämlich auch Knochenarbeit.

Der typische Küstenhändler ist ein mittelgroßes Schiff mit einem Mix aus Rah- und Schratsegeln. So kommt er immer gut voran, gleich, wie auch der Wind steht. Wirklich schnell ist er nur, wenn er unbeladen ist, aber dann hat er kaum einen Grund, den Hafen zu verlassen. Voll beladen sind Küstenhändler eher schwerfällig. Nur, langsam sind sie erst, wenn sie mit besonders schwerer Fracht beladen wurden.

Die meisten Küstenhändler sind unbewaffnet. Es macht wenig Sinn für sie, Kanonen mitzuführen, denn sie sind ohnehin immer in Nähe freundlicher Häfen. Wenn sie angegriffen werden, dann fliehen sie oder geben kampflos auf.

Der Fernhändler – Ich bin in einem halben Jahr zurück!

Ein mittelgroßer Indiaman.

Realhistorisch benannte man diese Schiffe nach ihren Reisezielen. Ostindienfahrer (Englisch: East Indiamen) fuhren, wie der Name verrät, zu den East Indies. Das ist das Gebiet des heutigen Südostasiens und die Inseln rund um Indonesien. Ganz großzügig gesprochen, kann man auch noch Indien dazuzählen.

Dahingegen bezeichnete man die Karibik als Westindien oder im Englischen als die West Indies. Daher hießen Schiffe, die dorthin fuhren, auch West Indiamen. Die großen Schatzschiffe der Spanier, die zwischen den Philippinen und Mexiko verkehrten, hießen Manila-Galeonen.

Fernhändler sind groß!

Allen Fernhandelsschiffen ist gemein, dass es sich um große Schiffe handelt. Die größten ihrer Zeit. Da die Reise lang dauerte und beschwerlich war, ergab es wenig Sinn, sie mit kleinen Schiffen zu befahren. Je größer das Schiff, desto schneller war es auch, relativ zu seiner Masse, und desto weniger Mannschaft benötigte es, proportional zu seiner Größe. Ein großes Schiff war also oft schneller und machte mehr Profit.

Fernhändler hatten oft eine komplexe Takelung und zählten fast immer zu den sogenannten Vollschiffen. Das bedeutet, dass es Großsegler mit 3 vollwertigen Masten und Spriet waren, die an allen Hauptmasten rahgetakelt waren. Zusätzlich dazu, also nicht stattdessen, verfügten sie auch noch über Schratsegel, und zwar zwischen den Masten. So waren sie sehr schnell, konnten aber auch unvorteilhafte Winde nutzen und mussten ihre Routen nicht allein dem Wind unterwerfen.

Fernhändler sind regelmäßig bewaffnet

Fernhändler verfügten zwar so gut wie nie über spezialisierte Kämpfer an Bord, und die Mannschaften waren oft nur wenig im Umgang mit Kanonen geübt, aber wann und wo immer es Piraterie gab, da waren Fernhändler auch bewaffnet, und das aufgrund ihrer schieren Größe in respektablem Maße. Da sie nach dem gleichen Prinzip gebaut waren wie die großen Kriegsschiffe ihrer Zeit, nur mit bauchigerem Rumpf, verfügten sie oft über knapp halb so viele Kanonen, als wären sie tatsächlich ein Kriegsschiff.

Ein nach dem Muster eines 74-Kanonen-Schiffes gebauter Fernhändler konnte also gut und gerne 36 Geschütze führen. Oft verzichtete man aber gänzlich auf die Deckgeschütze, weshalb ein solches Schiff am Ende dann nur auf knapp 24 Kanonen kam. Das allerdings waren immerhin 10 pro Breitseite, zuzüglich 4 nach hinten. Waffen nach vorn führten Händler nicht, denn sie verfolgten ja niemanden.

Kutter – Abfangjäger der Meere

Ein französischer Kutter. Wenig Crew und zügig unterwegs. Dank seiner Schratsegel sehr wendig.

Kutter, vom englischen Cutter (cut = schneiden), sind kleine, überaus wendige und schnelle Schiffe. Ein typischer Kutter verfügt nur über einen einzigen Mast und ist selten schwer bewaffnet, aber er kann einem einzelnen, größeren Schiff dank seiner Manövrierbarkeit durchaus gefährlich werden. Auch als Piratenschiffe waren Kutter beliebt, denn man kann damit gut in einer kleinen Bucht lauern und ein vorbeifahrendes Schiff völlig überrumpeln. Zügig heransegeln, eine Salve aus den Kanonen abgeben, um den Gegner einzuschüchtern; und dann direkt ran und mit Enterhaken und Seilen das andere Schiff geentert!

Drohgebärden mit leichten Waffen

Eine Swivelgun feuert! Diese kleinen Kanonen waren gut gegen Personen und für präzisen Beschuss von wichtigen Dingen wie dem Ruder.

Bewaffnet waren Kutter oft nur mit 2–4 leichten Kanonen und einigen Drehbassen (Englisch: Swivel Guns). Dabei handelt es sich um besonders leichte Kanonen, die auf einem Schwenkbolzen montiert und leicht drehbar sind. Viele Kutter sind sogar ausschließlich mit dieser Waffenform bestückt. Sie eignet sich zwar kaum, um feindliche Schiffe zu beschädigen, aber man kann gezielter damit schießen. So kann ein Kutter einem größeren Schiff das Ruder kaputtschießen, den Steuermann mitsamt dem halben Steuerrad wegblasen oder versuchen, einen Mast zu kappen.

Außerhalb von Kämpfen waren Kutter die typischen Universal-Arbeitsschiffe ohne echte Hochseetauglichkeit, später dann vor allem als Jachten beliebt und auch heute noch in dieser Funktion in Gebrauch. Die meisten kennen sie vor allem als Krabbenkutter. Kutter können aber auch als Postschiffe und Kuriere zwischen benachbarten Inseln fahren oder Personen zu größeren, weiter draußen liegenden Schiffen bringen.

Lass dich von den Beschreibungen aus Jannasaras Tagebuch inspirieren und nutze unsere Karten für das Ausgestalten deiner Seefahrtsgeschichte.

Die Sloop – Ich bin dann mal eben schnell…

Die Lady Washington, eine fahrtüchtige Replika der Sloop mit dem gleichen Namen von 1780. Sie diente auch als die „Interceptor“ im ersten Pirates of the Carribean Film.

Wenn es größer ist als ein Kutter, aber kleiner als ein klassifiziertes Kriegsschiff, dann ist es vermutlich eine Sloop (englische Flottenbezeichnung, nicht zu verwechseln mit der deutschen Schaluppe). Diese Schiffe können auf verschiedene Arten getakelt sein. Ihnen gemein ist, dass sie selten mehr als zwei Masten haben.

Die Sloop ist das ideale Plänklerschiff, ein hervorragendes Piratenschiff und auch als Eskorte und Piratenjäger sehr wirksam. So schwer bewaffnet, wie irgend möglich, und so viele Männer an Bord, wie man kriegen kann. Los geht die Jagd!

Allem voran ist eine Sloop nämlich schnell, denn ihr Rumpf ist schlanker als der eines Küstenhändlers, sodass sie weniger Widerstand im Wasser hat. Zwar kann sie so weniger Fracht aufnehmen, aber Sloops sind auch in erster Linie keine Frachtschiffe. Sie sind Allzweckschiffe, wie der Kutter, nur sind sie im Gegensatz zu diesem vollkommen hochseetauglich. Nicht nur das! Eine Sloop kann sogar die großen Meere überqueren und kann, genug Proviant vorausgesetzt, sogar die Welt umsegeln.

Die Sloop ist auch ausreichend klein, sodass sie auch viele Untiefen übersegeln kann, und wenn man keinen Hafen findet, ankert man sie einfach in irgendeiner Bucht. Notfalls kann man sie sogar relativ gefahrlos auf eine Sandbank oder einen Strand aufsetzen.

Das Linienschlachtschiff – Schwimmende Festungen

Nuestra Señora de la Santísima Trinidad, ein spanisches First-Rate Linienschlachtschiff.

Als Schiff der Linie oder Linienschiff, im Englischen Ship-of-the-Line, bezeichnete man Kriegsschiffe, die über genügend Feuerkraft und Rumpfstärke verfügten, um in einer Seeschlacht zu kämpfen. Ein Linienschiff kann brutal austeilen, aber es muss auch einstecken können, ohne sofort zu sinken.

Typisch für ein Linienschiff sind die Takelung als Vollschiff und die Zahl von zwei bis drei Masten. Mehr Masten kamen praktisch nicht vor, da sie dem Gegner zu viel Angriffsfläche boten, wohingegen Schiffe mit weniger als zwei Masten schlicht zu klein waren, um in der Schlachtlinie zu kämpfen.

Ein Linienschiff strotzt nur so vor Bewaffnung. Zu kämpfen ist sein einziger Zweck. Alles, was ein solches Schiff an Laderaum hat, dient dazu, Munition, Pulver und Proviant zu transportieren. Auch im Inneren ist alles dem Kampf untergeordnet. Sogar die Wände, die Offiziersquartiere und Kapitänskajüte vom Rest des Schiffes trennen, sind oft herausnehmbar, damit im Kampf auch dort Kanonen stehen können.

Oft leidet unter der Bewaffnung sogar die Sturmtauglichkeit, denn die schwersten Kanonen liegen so tief wie nur möglich und so nahe am Schwerpunkt des Schiffes, wie es geht. Bei Sturm kann dann aber Wasser durch die Geschützklappen eindringen, wenn diese nicht richtig verschlossen oder gar von einem Kampf beschädigt sind. Kolossale Kriegsschiffe gingen so bereits völlig überraschend verloren. Eines der ältesten Schiffe, von denen wir wissen, dass sie dieses Schicksal erlitten, war die Mary Rose, Flaggschiff der Flotte Heinrichs des Achten von England.

So eine schwimmende Festung ist darum nicht zu verwechseln mit einem schwimmenden Belagerungsturm, aber das nur am Rande.

Das Schatzschiff

Spaniens Schatzgaleonen vereinten die Qualitäten eines Linienschlachtschiffes mit denen eines Fernhändlers. Schwerfällig und träge zu steuern, aufgrund der großen Segel jedoch moderat schnell, bewaffnet bis an die Zähne und mit gewaltigem Frachtvolumen. Einige der größten Schiffe des Segelzeitalters waren Schatzschiffe der großen Kolonialmächte, Spaniens und Portugals.

Diverse dieser Schiffe waren so beeindruckend groß, dass sie Kapellen an Bord hatten, mit mehreren Schiffspriestern. Ihre Offiziere speisten nicht etwa in der großen Kabine des Kapitäns, sondern in einem eigens dafür vorhandenen Speisesaal. Am Heck gab es nicht selten mehrere, übereinander liegende Balkone, teils mit kleinen Erkertürmchen.

Oftmals veraltet

Allen Schatzschiffen der Spanier war aber auch gemein, dass sie oft technisch veraltet waren. Die großen Kanonen auf dem untersten Geschützdeck waren oft Artilleriegeschütze, wie man sie an Land verwendete, schwerfällig und langsam wie die Schiffe, aus denen sie feuerten. Alle leichteren Kanonen waren dafür oft wesentlich kleiner als diejenigen zeitgenössischer Schiffe anderer Nationen.

Eine Schatzgaleone konnte so ein kaum zu fassendes Feuervolumen ausspucken, ebenbürtige Schiffe jedoch nur schwer bezwingen. Das ist für eine Schatzgaleone aber nicht so schlimm, denn auf den meisten Routen fahren diese Kolosse im Konvoi mit anderen Schatzgaleonen und werden dazu auch noch eskortiert von Fregatten, den kleinsten Vertretern der Linienschlachtschiffe.

Unmengen Crew

Schiffe dieser Art zu entern, ist auch kein Zuckerschlecken. Sich an sie heranzukämpfen, ist absurd gefährlich, denn auch wenn die meisten Schatzschiffe unzureichend mit schweren Geschützen bewaffnet sind, so hebt sich dieser Nachteil mehr und mehr auf, je näher man ihnen kommt.

Obendrein haben Schatzschiffe auch immer jede Menge Soldaten an Bord, also professionelle Kämpfer, mit Rüstungen und Helmen. Wer glaubt, dass man auf See keine Panzerung tragen würde, der irrt. In den heutigen Medien ist das 18. Jahrhundert dominant, und dort hatte sich das Rüstungsthema zwar weitgehend erledigt, aber durch das gesamte Zeitalter der Seefahrt hindurch waren Rüstungen bei professionellen Kämpfen noch relevant.

Die Soldaten auf einem spanischen Schatzschiff tragen daher üblicherweise einen stählernen Kürass und dazu einen Morionhelm, was ihre Kampfkraft gegenüber einem ungerüsteten Gegner leicht verdoppeln kann. Will man also ein Schatzschiff erobern, dann muss man es entweder durch einen gerissenen Trick völlig überrumpeln, oder aber man hat gewaltiges Glück und erwischt ein Schatzschiff, das im Sturm von seiner Flotte getrennt und dabei auch noch schwer beschädigt wurde. Ansonsten sollte man besser eine Menge gute Schwerter mitbringen.

Zusammenfassung

Schiffe eindeutig zu typisieren, ist gar nicht so leicht. Der Rumpf spielt eine Rolle, ebenso die Segel, und sogar der Verwendungszweck hat Einfluss auf die Bezeichnung.

Die beiden wichtigen Segeltypen sind das Rahsegel und das Schratsegel. Das Rahsegel ist das viereckige Segel, das besonders gut geeignet ist, wenn man den Wind im Rücken hat. Das Schratsegel ist hingegen dreieckig und ist dafür besser, wenn man viel manövrieren muss – also z.B. in Küstennähe.

Es gibt mehrere „Archetypen“ von Schiffen, die im Rollenspiel zur See immer wieder auftauchen, die aber nicht unbedingt den realen – und unübersichtlichen – Schiffskategorien entsprechen.

Der Küstenhändler ist meist kaum oder gar nicht bewaffnet und fährt nur kurze Strecken.

Der Fernhändler oder Indiaman ist ein gewaltiger Pott, der monatelang unterwegs ist. Er ist, wenn nötig, ungefähr halb so gut bewaffnet wie ein Kriegsschiff seiner Größe.

Kutter sind die Abfangjäger der Meere. Schnell, wendig und leicht bewaffnet. Sie können auch als Postschiffe zwischen Inseln herumbrausen.

Die Sloop ist ein Sammelbegriff der englischen Marine für alle Kriegsschiffe, die nicht Teil des Rating-Systems sind. Sie haben nie mehr als zwei Masten und sind schnell, wendig und vollgestopft mit Waffen und Mannschaft. Mit genug Vorräten können sie sogar die Weltmeere befahren.

Linienschiffe bzw. Schlachtschiffe sind gewaltige schwimmende Festungen. Das, was sie auszeichnet, ist ihre Standfestigkeit in einer Schlacht. Sie müssen austeilen und einstecken können. Sie sind selten besonders wendig, aber dank ihrer Vielzahl an Rahsegeln potenziell ziemlich zügig unterwegs.

Schatzschiffe sind groß, aber oft veraltet. Sie sind eine Mischung aus riesigem Handelsschiff und Kriegsschiff. Unmengen Crew sorgen dafür, dass sie nur schwer zu entern sind.

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Quellen:

  • Bild der Swivel Gun: Foto von forkcandles on Foter.com / CC BY-ND
  • Bild der Lady Washington: „Mike“ Michael L. Baird, CC BY 2.0
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