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All Hands on Deck! Rollenspiel auf See, Teil 2 – die Mannschaft

Lesezeit: 12 Minuten

Seefahrtskampagnen Teil 2 Cover Kanonencrew

Wenn du an Deck stehst und der Wind dir durch die Haare weht, dann möchtest du auch Seemanns-Shantys hören – und die muss natürlich auch irgendjemand singen. Willst du im Pen & Paper Rollenspiel also in See stechen und eine zünftige Kampagne mit Schiffen spielen, dann brauchst du auf jeden Fall eine Crew.

Die Mannschaft eines Schiffes ist Teil der Persönlichkeit des Schiffes selbst. Ein wagemutiges Schiff braucht eine wagemutige Besatzung. Ein arrogantes Kriegsschiff muss von einer Crew betrieben werden, die mindestens so streitlustig und überheblich ist wie das Wesen ihres Schiffes.

Die Mannschaft eines Segelschiffes, besonders die eines Piratenschiffes, kann ziemlich groß werden. Selbst vergleichsweise kleine Schiffe können, sobald sie als bewaffnetes Kriegsschiff, Freibeuter oder Pirat segeln, schnell weit über 100 Besatzungsmitglieder haben. Da ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten und das richtige Maß zu finden bezüglich Namen, Persönlichkeit und dergleichen. Was für Personen und Spezialisten gab es nun aber auf einem Segelschiff? Und wie behältst du den Überblick über die Hunderte von Seeleuten, die auf großen Schiffen unterwegs sind?

Mehr zum Thema Seefahrt findest du in den zugehörigen Geschichtskrümeln.

Mannschaft und Offiziere sind, zumindest historisch, äußerst klar voneinander getrennt. Offiziere haben auf einem Schiff die gleiche Rolle und die gleiche soziale Distanz wie Adlige an Land. Jeder Offizier ist de facto ein Ritter, der Kapitän ein König, und seine Stabsoffiziere agieren wie Fürsten – von den Regularien der Flotte abgesehen, sind sie de facto souverän an Bord des Schiffes. Es gibt einen klaren Standesunterschied.

Piratenschiffe haben übrigens oft keine Offiziere bzw. nur sehr, sehr wenige. Dort gibt es dann nicht mehrere Leutnants und Midshipmen, welche die Crew auf Linie halten. Auf einen Zahl- und Proviantmeister (Purser) können allerdings auch Piratenschiffe nicht verzichten. Sollten ihm nicht alle an Bord mit dem Geld vertrauen, dann ist das ein Konflikt, der schnell eskalieren kann.

Die Offiziere verfügen auf Schiffen, wo der Platz dazu vorhanden ist, über eigene Räumlichkeiten. Einzelkabinen sind sehr selten und nur für die höchsten Offiziere an Bord der größten Schiffe verfügbar. Es ist jedoch bereits ein Luxus für die Offiziere auf einem Segelschiff, einen eigenen gemeinsamen Raum zu haben, der etwas Abgeschiedenheit von der Mannschaft erlaubt.

Im Gegensatz zur Mannschaft durften Offiziere auf den meisten Schiffen Waffen tragen, so sie denn wollten. An die Männer gab man nur dann Waffen aus, wenn es nötig war, um das Schiff zu verteidigen oder ein anderes zu entern. Allerdings trugen auch Offiziere nur Blankwaffen im Alltag, also Dolche und Schwerter. Schusswaffen wurden auch den Offizieren nur ausgegeben, wenn ein Kampf bevorstand oder man eine Meuterei befürchtete.

Der Bordarzt

Anders, als man denken mag, handelte es sich beim Bordarzt oft nicht um einen Offizier und auch nicht um ein Mannschaftsmitglied im eigentlichen Sinne. Die Ärzte vieler Schiffe waren Zivilisten. Sie unterstanden an Bord genauso wie jeder andere dem Kommando des Kapitäns, und sie standen allen anderen Offizieren oft gleich, aber sie konnten das Schiff genau genommen jederzeit verlassen, wenn sie wollten. Manche arbeiteten auf Honorarbasis für eine Flotte, andere wurden direkt vom Kapitän eines Schiffes bezahlt.

Überhaupt waren Bordärzte gefragte Experten. So gefragt, dass Piraten oft keinen Schiffsarzt hatten und kompetente Ärzte als äußerst begehrenswerte Beute betrachteten. Ein Arzt, dessen Schiff gekapert wurde, konnte damit rechnen, in den Dienst der Piraten gepresst zu werden. Allerdings wurden Ärzte von Piraten oft sehr gut behandelt und nicht selten großzügig für ihre Dienste bezahlt. Solange ein Bordarzt auf einem Piratenschiff keine Anteile einer Beute kassierte, standen seine Chancen daher auch sehr gut, selbst bei Gefangennahme der Piraten nicht als Teil ihrer Mannschaft betrachtet zu werden. Gegen die Honorararbeit im Dienste von Verbrechern, unter Ausübung legaler Tätigkeiten, gab es schließlich keine Handhabe.

Die Handwerker

Ein Schiff war nicht nur Transportmittel, eine schwimmende Festung mit Kanonen oder das Heim seiner Bewohner. Es war auch eine schwimmende Werkstatt. Nahezu jedes größere Schiff musste imstande sein, sämtliche infrage kommenden Reparaturen durchzuführen, die im Rahmen einer Seereise notwendig sein könnten.

Für all diese Aufgaben hatte man daher Spezialisten an Bord. Seiler und Segelmacher, Zimmerleute und Waffenmeister. Das waren Handwerker im Dienst der Flotte, die Ränge zwischen der Mannschaft und den Offizieren bekleideten. Viele waren sogenannte Warrant Officers, also Offiziere aus Ernennung. Ihr Rang erlosch, wenn sie ihren Posten nicht mehr bekleideten, und konnte weder gekauft noch verkauft werden.

Wie viele Handwerker sich an Bord eines Schiffes befanden, hing direkt von seiner Größe ab, sowie davon, wie oft ihre Dienste nötig wurden und wie viel Arbeitsleistung benötigt wurde. Ein Schiff brauchte nur selten mehr als zwei Segelmacher, selbst wenn es groß war, denn die meisten manuellen Tätigkeiten konnten von Matrosen unter Aufsicht der Segelmacher ausgeführt werden. Bei Zimmerleuten sah es anders aus. Da Schiffe vorwiegend aus Holz bestanden, verwundert es nicht, dass Schiffszimmerleute zahlreich und wichtig waren. Kleine Schiffe hatten zwei bis vier davon in ihren Listen, wovon einer ein Meister und der Rest oft Gesellen waren. Große Schiffe konnten aber ein ganzes Dutzend Schiffszimmerleute und mehr an Bord haben.

Die Spezialisten

Neben den Offizieren und den Handwerkern gab es noch zahlreiche andere Spezialisten. Da wäre zum Beispiel der Schiffskoch zu nennen, wovon größere Schiffe auch mehrere hatten. Auch ein Bordmusiker war bei größeren Schiffen keine Seltenheit, galt bei kleineren jedoch als exzentrisch.

Die wichtigsten Spezialisten an Bord eines Segelschiffes waren aber die Steuermänner. Davon brauchte ein Schiff je nach Größe ein oder zwei für jede Schicht. Bei drei Schichten also drei bis sechs Steuermänner. Sicherheitshalber hatte man oft noch ein bis zwei zusätzliche an Bord, oder es gab erfahrene Matrosen, die einspringen konnten. Steuermänner konnte man nicht zu sehr knechten, denn wenn sie nicht genug Schlaf und Ruhe hatten, konnten sie ihre Arbeit nicht tun, von der zu viel abhing, als dass man da hätte schlampen können. Ein Schiff zu steuern, besonders bei rauer See, war harte Arbeit. Steuermänner waren daher meist ziemlich kräftige Kerle.

Ein anderer Typ Spezialist waren die Kanoniere. Kriegsschiffe brauchten einen für jede Kanone. Der Rest der Geschützmannschaft bestand aus Matrosen. Bei kleinen Schiffen war die Kanonierstätigkeit eine Zusatzqualifikation für erfahrene Matrosen, da man es sich nicht leisten konnte, überflüssiges Personal an Bord zu haben.

Große Kriegsschiffe hatten zusätzlich mehrere Kanoniermeister: besonders erfahrene Kanoniere, die entweder mehrere Geschütze im Kampf befehligten und ausrichteten oder aber die Obhut über besonders wichtige Geschütze hatten. Bombarde-Schiffe, die über großkalibrige Mörser verfügten, oder Raketenschiffe hatten für diese schwierig zu bedienenden Waffensysteme eigene Spezialisten an Bord.

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Zur Besatzung der meisten Schiffe gehörten auch Kinder. Sowohl als Teil der Mannschaft, als auch als Teil der Offiziersbelegschaft. Die Karriere vieler Matrosen, die nicht als Quereinsteiger aus der Fischerei kamen, begann als Schiffsjungen. Die meisten Schiffsjungen waren zwischen 12 und 16 Jahren alt, aber das war nur die Norm. Schiffsjungen konnten durchaus auch jünger sein. Jünger als acht Jahre waren Schiffsjungen allerdings so gut wie nie. Je nach Alter leisteten die Schiffsjungen hauptsächlich Hilfstätigkeiten, beispielsweise als Melder, Laufburschen und Ausguck. Im Verlauf ihrer Dienstzeit erlernten sie aber das gesamte Matrosenhandwerk, bis sie irgendwann in den Dienstgrad eines Matrosen aufstiegen.

Frühe Verantwortung

Auch unter den Offizieren gab es Kinder, zumindest nach heutigem Verständnis. Ihre Karriere als Seekadetten (engl. Midshipmen) begann im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Im Gegensatz zu den Schiffsjungen aber nahezu nie in jüngeren Jahren. Seekadetten gab es in dieser Form nur auf Kriegsschiffen, wo diese Laufbahn Teil der Offiziersausbildung war. Nach fünf Jahren als Kadett konnten sie ihre Offiziersprüfung ablegen und in den Rang eines Leutnants aufsteigen.

„Kleine Erwachsene“

Was aus heutiger Sicht verwundern mag, ist der Umstand, dass die Kinder an Bord von Kriegsschiffen wie alle anderen auch Alkohol ausgeschenkt bekamen – wenn auch in reduzierter Menge. In der Royal Navy bekamen Schiffsjungen üblicherweise die halbe Rumration eines erwachsenen Matrosen, was dennoch stolzen 35ml Rum pro Tag entsprach.

Wie beim Rum, so waren die Kinder auch bei Gefechten den Erwachsenen weitgehend gleichgestellt. In Kämpfen fungierten die jüngeren Schiffsjungen vor allem als Pulverträger, was ihnen auch den Spitznamen Pulveraffen einbrachte. Alle anderen mussten genauso kämpfen wie der Rest der Mannschaft und Kadetten befehligten Geschütze neben erfahreneren Offizieren.

Überhaupt behandelten die meisten Flotten Kinder an Bord von Schiffen einfach wie Erwachsene mit angepasstem Maßstab. Sie bekamen Rum, aber weniger als der Rest und wenn sie sich eines Vergehens schuldig machten wurden sie mit der Peitsche geschlagen. Im Gegensatz zu den Männern allerdings oft auf den Hintern, anstatt auf den Rücken. Das Ausmaß an Urteilsfähigkeit und Verantwortlichkeit, dass man dabei den Schiffskindern auferlegte, war aus heutiger Sicht völlig absurd und vermessen. Auch eine Anklage wegen Meuterei war nichts wovor Schiffskinder gefeit gewesen waren.

Der Kapitän

Niemandem an Bord eines Schiffes kommt so viel Bedeutung und Gewicht zu wie dem Kapitän. Es ist der Kapitän, der sein Schiff prägt wie niemand sonst und der oft sinnbildlich eins mit dem Schiff und seiner Mannschaft ist. Er herrscht mit der Autorität eines Fürsten, mitunter der eines Königs, und seine Macht wächst, je weiter er von der Heimat, dem Land und dem nächsten Hafen entfernt ist. Ein Kapitän am anderen Ende der Welt kann nahezu tun und lassen, was immer er will, auch wenn besonders extreme Handlungen selbstverständlich drastische Konsequenzen haben können.

Das kann durchaus bedeuten, dass auch die Gerichte in der Heimat nicht zwingend untätig bleiben, wenn man erst einmal wieder dort ankommt. Gerade, falls man Feinde hat, die entsprechende Prozesse befeuern. Allerdings waren Kapitäne auch zeitgleich oftmals Diplomaten, und sei es weil sie auf eigene Faust Verhandlungen führten, denn spezialisierte diplomatische Vertretungen in der Ferne gab es noch bis ins späte 18. Jh kaum.

Solange ein Kapitän aber nicht die soziale Ordnung in der Heimat gefährdet, wird er mit sehr vielen Dingen davonkommen. Selbst ein Kapitän, der häufiger Matrosen halb tot peitschen lässt, wird dafür in der Heimat kaum zur Rechenschaft gezogen werden. Auch Todesfälle interessieren die Admiralität eines Marinekapitäns oder die Arbeitgeber eines Handelskapitäns oft wenig bis überhaupt nicht. Solange keine Angehörigen imstande sind, einen echten Prozess anzustrengen, und solange diese keine Zeugen präsentieren können, wird kaum etwas Folgen haben.

Ein Kapitän jedoch, der die soziale Ordnung der Heimat stört, etwa indem er Offiziere unter seinem Kommando misshandelt oder Schiffe angreift, die zu verbündeten Mächten gehören, der wird mit Strafen rechnen müssen. Ähnlich wie bei Offizieren der Landstreitkräfte wird ein Marinekapitän aber innerhalb „des Systems“ belangt, und die Strafen sind nicht immer analog zum zivilen Strafrecht. Oft ist die schlimmste Strafe der unehrenhafte Verlust von Rang, Kommando und Rentenansprüchen. Das gilt übrigens so ähnlich auch bei den Landstreitkräften.

Piratenschiffe: Anarchie oder Demokratie?

Bei Piraten hingegen sieht das mit dem Kommando alles völlig anders aus. Zumindest historisch waren die meisten Kapitäne demokratisch gewählt und hatten lediglich im Kampf das volle Kommando. Außerhalb des Kampfes mussten sie sich mit dem Quartiermeister einigen und bei wichtigen Fragen die gesamte Mannschaft demokratisch befragen.

Ein Kapitän konnte außerdem sehr wohl abgesetzt werden. Ganz ohne Meuterei übrigens. Misstrauensvotum, Wahl, zack und raus. Üblicherweise musste er dann im nächsten Hafen von Bord gehen. War er besonders unbeliebt, so wurde er ausgesetzt. Ein Kapitän, der sich in besonderem Maße gegen seine Mannschaft versündigte, wurde hingegen schlicht ermordet und über Bord geworfen.

Auch mit dem Einkommen sah es bei einem Piratenkapitän nicht annähernd so gut aus wie bei einem Handelsschiff oder einem Freibeuter mit Kaperbrief. Der Kapitän war Erster unter Gleichen und bekam oft nur einen doppelten Anteil von der Beute.

Beute bringt Loyalität

Piraten beurteilen ihren Kapitän zudem ganz direkt danach, wie viel Geld er ihnen in die Taschen bringt. Der Kapitän eines Piratenschiffes befindet sich daher in steter Gefahr, seinen Posten zu verlieren, und muss oft faule Kompromisse eingehen. Zudem ist die Mannschaft eines Piratenschiffes genauso bildungsfern wie die jedes anderen Schiffes auch. Die meisten Männer an Bord können weder lesen noch schreiben und haben nie eine Schule besucht. Für sie ist es daher dann auch oft völlig unverständlich, warum man ein spanisches Schiff angreifen darf, ein indisches Schiff jedoch zur jeweiligen Zeit lieber meiden sollte.

Viele Dinge müssen mit großem Fingerspitzengefühl erklärt werden, oft auf eine Art, die einem Kind verständlich wäre, aber ohne der Mannschaft das Gefühl zu vermitteln, man würde sie für dämlich halten.

Die TV-Serie Black Sails stellt dies anschaulich dar. Sie zeigt die Konflikte und Machtkämpfe eines Kapitäns, dessen Pläne immer wieder gegen die – teilweise kurzsichtigen – Interessen seiner Crew durchgesetzt werden müssen. Dieses Spannungsfeld bietet Platz für eine Vielzahl von Intrigen und Geschichten.

Lass dich von den Beschreibungen aus Jannasaras Tagebuch inspirieren und nutze unsere Karten für das Ausgestalten deiner Seefahrtsgeschichte.

Die Mannschaft eines großen Schiffes ist in sogenannten Messen organisiert. Eine Messe ist eine Gruppe von Männern (oder je nach Spielwelt auch Frauen), die zusammen arbeiten und daher auch zusammen essen. Eben in der Schiffsmesse.

Bei Messen handelt es sich um Arbeitsgruppen, die je nach Schiffsgröße zwischen 4 und 8 Mann stark sind. Die Aufgaben an Bord eines Schiffes sind auf bestimmte Messen verteilt. Einige Messen arbeiten in der Takelage und andere an Deck oder unter Deck. Die Aufgaben können dabei sehr spezifisch sein.

Die Messe mit den ältesten und erfahrensten Matrosen hat üblicherweise den Vormast, weil dort die Arbeit leichter ist, gleichzeitig aber viel Erfahrung gefragt ist. Auf dem Hauptmast findet man wiederum die kräftigsten und gleichzeitig erfahrenen Männer. Diese Messen gehören zur (im Englischen) sogenannten Tops-Crew. Die Waster wiederum arbeiten auf dem Deck und darunter. Sie ziehen vor allem Seile, drehen Winden und tragen Zeug umher. Fachleute wie Steuermänner sind nicht Teil einer Messe, weil sie unabhängig von Gruppen eingesetzt werden.

Messen machen die Verwaltung einfacher

Warum aber ist das mit den Messen wichtig? Ganz einfach! Es macht es real viel einfacher, die Crew eines Schiffes zu kommandieren, und für uns Rollenspieler einfacher zu spielen! Sie sind ein Segen bei der Verwaltung von Nebencharakteren beim Pen & Paper Rollenspiel.

Eine Messe hat einen Mess-Chief. Dieser ist der Erste unter Gleichen – eventuell auch ein Offizier –, der diese kleine Gruppe leitet und von weiter oben seine Befehle erhält. An ihm ist es, diese Anweisungen dann umzusetzen und auch einmal hart durchzugreifen, sodass das die Offiziere selbst nicht tun müssen. Es ist auch leichter, nur mit einem Einzelnen zu sprechen – real und im Spiel.

Alle wie einer – der Charakter einer Messe

Einer ist also der Vorarbeiter, und da Messen sich organisch formen, Männer sich nach Vorlieben darin zusammenfinden können, prägt der Charakter eines Mess-Chiefs auch das Wesen seiner Messe. Real sind Menschen natürlich sehr divers, auch wenn sie sich in bestimmten Gruppen zusammenfinden. Im Spiel aber können wir hier vereinfachen! Der Mess-Chief wird zum Avatar seiner Messe.

Wir benennen diesen einen Charakter, und wir charakterisieren ihn, und er allein wird zum Abbild aller, die unter ihm stehen. Wenn er ein Säufer ist, dann ist das die Messe, die ständig besoffen ist. Ist er ein Schläger, dann ist es diese Messe, die im Hafen die Kneipen zerlegt. Ein Mess-Chief, der ein Bully ist, wird zum Boss einer Bande, die andere Messen erpresst, und ein kameradschaftlicher Anführer leitet eine Messe, die auf dem ganzen Schiff wegen ihrer Hilfsbereitschaft beliebt ist.

Die Spieler und ihre Charaktere, gleich, ob sie Mannschaft oder Offiziere sind, können so die Mannschaft eines ganzen Schiffes im Überblick behalten und mit ihr interagieren, selbst wenn diese Mannschaft mehrere Hundert Mann stark ist!

Höchstens zwei sie sind

Als Faustregel gilt, dass man hier noch eine Stufe an Komplexität hinzufügen kann, indem man die Nummer zwei einer Messe ebenfalls charakterisiert. Auf keinen Fall aber mehr als das. So kann man den Mess-Chief entweder besser kontrastieren oder aber seine Wirkung verstärken. Die Nummer zwei kann natürlich auch eine graue Eminenz sein. Ein wieseliger Manipulator an der Seite eines brutalen Schlägers. Oder umgekehrt.

Auf sehr großen Schiffen bietet es sich an, nur eine Person pro Messe zu benennen und mit Tiefe auszustatten. Bei sehr kleinen Schiffen wiederum kommt man auf die dramaturgisch benötigten Darstellerzahlen, und zwar mit der Zwei-pro-Messe-Methode.

Zusammenfassung

Damit die Crew, die schnell einmal hundert oder mehr Leute umfassen kann, nicht völlig unspielbar für die Spielleitung wird, kann man sie in Messen einteilen. Eine Messe isst und arbeitet zusammen und ist meist ca. 8–10 Personen stark. Sie wird von einem Mess-Chief angeführt. Das vereinfacht die Verwaltung der Nebencharaktere immens.

Zur Vereinfachung kann der Mess-Chief quasi repräsentativ sein für den Charakter der ganzen Messe. Die Messe des hilfsbereiten Mess-Chiefs ist hilfsbereit, der Bully repräsentiert die Messe der Bullies, der faule Mess-Chief die Tunichtgute etc. Bei wichtigen Messen kann man auch noch die rechte Hand ausarbeiten. Entweder, um den Eindruck der Messe zu verstärken, oder, um Kontrast zu schaffen, dabei hilft eine klare Charakterisierung.

Die Offiziere auf See agieren de facto wie Fürsten, und die Regularien der Flotte unterstützen das auch. Auf Piratenschiffen gibt es nahezu keine Offiziere, und sie sind – auch der Kapitän – meist gewählt. Sie sind vom guten Willen der Crew abhängig und müssen regelmäßig Beute heranschaffen, sonst sind sie bald abgesetzt.

Weniger als erhofft? Teile uns doch im Feedbackfeld mit warum!
Wir planen weitere Teile zum Thema Rollenspiel und Seefahrt. Was würde dir besonders helfen? Gib uns doch einen kleinen Anstoß in die richtige Richtung.

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