AntikeGeschichteMittelalterPen&PaperSpielerSpielleiterWaffen

Die Bewaffnung eines Kriegers

Lesezeit: 11 Minuten

Der Krieger. Ein Standard-Charakter der Fantasyliteratur. Wenn ich ihn Ritter nenne, dann haben viele sofort ein Bild im Kopf. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Rollenspiele sich verändert, und auch die Romane und die Filme sind nicht mehr, wie sie einmal waren. Realismus, vermeintlicher und tatsächlicher, hat an Bedeutung gewonnen.

Während man vor 50 Jahren noch einen Ritterfilm mit Wollkette drehen konnte und ein Barbarenfilm mit zwei oder drei Bodybuildern zum Erfolg werden konnte, so muss es für moderne Schöpfungen wie den Herrn der Ringe und den Hobbit bereits ein Arsenal echter Stahlpanzer und echter Waffen sein.

Dieses Bild des archetypischen Ritters ist bei den meisten von uns ein sehr ähnliches. Stählerne Plattenrüstung, ein Helm mit hochklappbarem Visier, eventuell mit einem Federbusch und an der Seite ein langes, gerades Schwert. Das ist der romantische Ritter, also der Ritter der poetischen Rückbesinnung auf eine Zeit, die es nie gegeben hat. Wir treffen ihn in Filmen, in Fantasygeschichten und in Rollenspielen. Aber er ist kein historischer Ritter, und er repräsentiert nicht die Kriegerelite früherer Zeiten.

Auch Rollenspieler fragen sich oft, wie denn nun der gerade frisch erdachte Krieger ausgerüstet sein könnte. Darum möchte ich als Hilfestellung eine kurze Diskussion der Ausrüstung eines Kriegers geben, wie sie historisch üblich war

Die drei Bogatyri Bild des russischen Malers Wasnezow
Die drei Bogatyri, ein Gemälde des russischen Malers Wasnezow.
Es zeigt von links nach rechts: Dobrynja den Drachentöter, Ilya Muromets und Aljoscha Popowitsch.
Sie sind drei Volkshelden aus der russischen Mythologie aus dem Kiewer Rus und Novgorod. Es waren Männer wie diese, aus denen sich die Warägergarde rekrutierte. Ihre Bekleidung und Ausrüstung entspricht typischen Haussoldaten nordeuropäischer Fürsten, schweren Infanteristen oder eben auch Warägern um ca. 1000–1100.

Ein Krieger in unserem Sinne ist ein professioneller Kämpfer, der die beste verfügbare Ausrüstung seiner Zeit verwendet. Völlig egal, ob er nun ein Prätorianer Roms, ein Waräger in Byzanz, Hausgardist eines Fürsten im Hochmittelalter oder ein Dragoner späterer Zeit war. Einige dieser Kämpfer waren Adlige und Angehörige des Ritterstandes, andere wiederum waren lediglich in Sold stehende Berufssoldaten oder Söldner. Ab dem 15. Jh. waren es zunehmend Soldsoldaten, wie beispielsweise in den diversen Kriegen zwischen Habsburg und Frankreich.

Krieger stellen die schwere Infanterie und später die schwere Kavallerie, denn diese beiden Aufgaben brauchen Disziplin und Teamwork – und dafür braucht man Profis. Sie sind die Speerspitze jedes Angriffs, die Leibwächter von Herrschern, die Champions ihrer Fraktionen. Sie zeichnen sich allem voran durch drei Dinge aus: Ständiges Training, ein Leben im Zeichen des Kampfes, sowie die beste Ausrüstung, die man für Geld kaufen kann.

Das Teuerste an der Ausrüstung eines Kriegers ist seine Rüstung. Sie macht auch den Großteil des Gewichts aus, das ein Ritter im Kampf trägt. Früher verbreiteten Historiker gern, dass Ritter regelrechte Schildkröten gewesen seien. Da hieß es dann, dass sie ohne einen Kran weder auf ihr Pferd gekommen wären noch aus eigener Kraft wieder aufstehen konnten, falls sie stürzten.

Wie es aber immer bei Dingen ist, die sich irgendjemand einfach so ausgedacht hat, ist diese Behauptung völlig haltloser Unsinn. Du bist jetzt vielleicht überrascht und denkst dir, wie so etwas passieren kann. Schließlich sind Historiker doch Wissenschaftler! Ausgebildete Akademiker und integre Menschen, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen.

Heute schon, zumindest idealerweise. Früher aber nicht. Die Geschichtsforschung ist trotz dessen, womit sie sich befasst, eine junge Wissenschaft. Noch vor hundert Jahren waren es vielfach auch Laien, Enthusiasten und leider auch Propagandisten, die sich für Geschichtsforschung interessierten. Einige mit keinem höheren Ziel, als den eigenen Ruhm zu mehren, andere mit dem Ziel, rassistische und nationalistische Hetze mit vermeintlichen, aber schlussendlich ausgedachten Fakten zu legitimieren.

Ja, der Schildkrötenritter ist frei erfunden, und jede Erwähnung dieses Konzepts darf dir ein Warnzeichen sein. Ein Autor, der dieses Klischee bedient, hat nicht die geringste Ahnung, wovon er schreibt. Es ist angebracht, alles, was er sonst noch so zu sagen hat, mit großem Argwohn zu betrachten. Die europäische Kriegerelite trug zu keiner Zeit Rüstungen im Krieg, in denen sie nicht richtig laufen, geschweige denn aufstehen konnte. In manchem Pen & Paper Rollenspiel spiegelt sich diese Erkenntnis in den Regeln leider noch nicht wieder.

Woher kommt der seltsame Mythos mit den Schildkrötenrittern? Von sogenannten Gestechrüstungen und Festungsrüstungen. Erstere waren Spezialpanzer, die beim Turnierreiten mit Kriegslanzen getragen wurden. Diese Rüstungen waren imstande, einem Frontaltreffer einer schweren Reiterlanze zu widerstehen. Sie wurden aber nicht im Krieg getragen, denn ein Reiter in einer solchen Rüstung war zu nichts anderem als dem Turnier-Tjost imstande. Er konnte mitunter weder richtig atmen noch besonders viel sehen, und in manchen Fällen konnte er auch seine Arme kaum bewegen.

Festungsrüstungen wiederum wurden von Feldherren getragen, wenn sie die Frontabschnitte einer Festungsbelagerung inspizierten. Diese Rüstungen waren so schwer, dass der Träger in ihnen unmöglich kämpfen und nahezu nicht mehr laufen konnte, aber sie waren auch stark genug, dass keine Fernwaffe den Träger durch einen Glückstreffer zu verletzen vermochte, abgesehen von Kanonen und anderen schweren Geschützen. Diese Rüstungen waren aber alles andere als repräsentativ, und sie wurden nicht in echten Kämpfen getragen.

Eine spannende Erkenntnis der echten Geschichtswissenschaft, in enger Zusammenarbeit mit der Experimental-Archäologie, ist der Umstand, dass das Gewicht der Ausrüstung, welche ein professioneller Kämpfer im Krieg trägt, sich über die Jahrhunderte kaum verändert hat.

Das ist das Gewicht dessen, was ein schwerer Infanterist der Kriegerelite an Ausrüstung trägt. 45 Kilo. Als Legionär in Gallien, im Kiewer Rus, bei der Schlacht von Hastings, bei der Warägergarde in Konstantinopel, während der Kreuzzüge in Antiochia, auf dem Schlachtfeld von Agincourt oder in den Einigungskriegen Japans. Erst mit dem Triumph der Feuerwaffe änderte sich das vorübergehend. Vom Dreißigjährigen Krieg an bis zum Zweiten Weltkrieg sank die Belastung eines durchschnittlichen Infanteristen im Kampf signifikant immer weiter ab. Der Grund dafür war simpel: Es gab nichts Sinnvolles, was er hätte tragen können.

Rüstung wurde schlicht immer weniger verwendet, weil sie gegen die immer stärker werdenden Feuerwaffen nutzlos war, und es gab nichts, was ihren Platz übernahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch stieg die Belastung wieder an. Soldaten trugen mehr Munition, Spezialausrüstung und zunehmend wieder Körperpanzerung, sodass die Belastung durch Ausrüstung heute wieder auf historischem Maß liegt und gelegentlich sogar darüber hinausgeht. Allerdings wurden in vielen Kriegen die 45 kg wiederum mit dem Marschgepäck ausgenutzt – das kann man im Kampf jedoch zurücklassen.

Betrachten wir jedoch nur die Geschichte vor dem Durchbruch der Schwarzpulverwaffen, dann sind es relativ konstant diese 45 Kilogramm Ausrüstungsgewicht. Und zwar egal ob der Ritter jetzt in Kette, Schuppe oder Platte gepanzert ist. Gewicht für Heiltränke wie im Pen & Paper Rollenspiel musste er allerdings nicht einplanen.

Der Grund dafür ist relativ einfach: Das ist, was ein durchtrainierter Mensch einigermaßen sinnvoll tragen kann. Alles, was er mehr trägt, führt zu unproportional schnellerer Ermüdung. Es ist ein Kompromiss zwischen Ausdauer und Beweglichkeit auf der einen Seite sowie Standfestigkeit und Schutz auf der anderen. Ein Kompromiss, der fast 500 Jahre Zeit hatte, um sich auf dem Prüfstand der Geschichte zu bewähren.

Um die Kampfweise und die Ausrüstung der historischen Kriegerelite zu verstehen, schauen wir uns ein konkretes Beispiel an: die Warägergarde. Die Warägergarde war die Leibwache des byzantinischen Kaisers zwischen dem 10. und dem 14. Jh. Sie bestand zu einem Großteil aus sogenannten Warägern. Das war der slawische Name für eine bestimmte Wikingergruppierung. Ja, ganz recht. Die Leibwächter vieler byzantinischer Kaiser waren waschechte Wikinger (und Normannen, aber das sind ja eigentlich auch nur Wikinger).

Jedoch nicht irgendwelche dahergelaufenen Wikinger. Nein, die Kriegerelite der Wikinger. Sie waren politisch ungebunden, da sie keinerlei Verbindungen in die byzantinische Politik hatten. Alles, worum es ihnen ging, waren Aufstiegschancen und ein gutes Auskommen. Sie galten darum als loyal und waren bewaffnet bis an die Zähne. Sie waren die Hausgarde des Kaisers, aber auch seine schlagkräftigste Schocktruppe. Wenn es irgendwas Kriegerisches zu erledigen gab, dann schickte der Kaiser regelmäßig die Warägergarde. Oft erledigten sie ihren Auftrag auch zusammen mit regulären Truppen. (Die Generäle dieser Expeditionen waren allerdings immer Getreue aus dem eigenen Land und keine fremden Soldaten.)

Interessant an den Warägern ist, dass sie aufgrund ihrer Anstellung am byzantinischen Hof derart gut ausgerüstet waren, dass ihre Ausstattung und Kampfweise für nahezu 500 Jahre beispielhaft für die Kriegerelite ganz Europas blieb.

Die Waräger trugen schwere Panzerung. Das Beste, was damals verfügbar war. Konkret bedeutete dies ein halbärmeliges Kettenhemd über einem Steppwams, ergänzt um Arm- und Beinschienen aus Splintpanzer. Später kam noch ein Lamellar-Kürass über dem Kettenhemd hinzu, wofür im Gegenzug das Kettenhemd etwas leichter wurde. Den Kopf schützten Kettenhaube und Helm, welcher später über ein Vollvisier verfügte.

Anschaungsbild halbvernietetes Kettengeflecht für Kettenpanzer
Solches halb vernietetes Kettengeflecht war günstiger als voll vernietete Kette. Auf dem Bild kannst du sehen, wie immer zwei vernietete Ringe um einen einzelnen ausgestanzten Ring greifen. Die vernieteten Ringe konnten bei Beschädigung einfach ausgetauscht werden – ein großer Vorteil von Kettenpanzern.

Der Kettenpanzer einer solchen Rüstung wog zwischen 15 und 25 Kilogramm, je nachdem, ob sie mit dem Lamellar kombiniert wurde oder nicht. Das Gesamtgewicht der kompletten Rüstung lag relativ konstant bei ca. 33 kg.

Damit blieben rund 12 kg für die restliche Bewaffnung eines Warägers übrig. 3–5 Kilo wurden für den Schild benötigt, denn jeder Waräger trug einen großen Rundschild. Hinzu kamen sein Dolch und ein Schwert als Notwaffen, die zusammen mit Scheiden und Gürtel etwa 2,5 kg wogen. Damit waren noch 4,5–6,5 kg übrig für weitere Bewaffnung, und ein Waräger nutzte diese Spanne vollumfänglich aus. Eine etwa 2 kg schwere Handaxt hing dem Schwert gegenüber als Zweitwaffe an seinem Gürtel.

Seine Hauptwaffe hingegen bildete je nach persönlicher Präferenz und je nach seiner Rolle im Kampf wahlweise ein schwerer Spieß oder aber eine zweihändige Streitaxt.

Typische Waffen eines Warägers
Ein Waräger, ebenso wie ein Huscarl oder ein fränkischer Ritter war schwer bewaffnet. Auf diesem Bild ist das typische Arsenal eines solchen Kriegers zu sehen. Der Schild wäre üblicherweise noch bespannt. Die Bespannung haben wir hier nicht abgebildet, um die Konstruktionsweise besser zu zeigen. Im Verlauf der Jahrhunderte veränderte sich natürlich die Form der Ausrüstung, u.a. der Schild.
  • Kettenpanzer (leicht): 15 kg
  • Lamellar: 8–10 kg
  • Helm: 2–3 kg
  • Schild: 3–5 kg
  • Dolch & Schwert mit Gehänge: 2,5 kg (1,2 kg Schwert; 0,7 kg Dolch; 0,6 kg Scheiden/Gürtel)
  • Handaxt: 2 kg
  • Hauptwaffe, z.b. Langaxt: 2,5–3,5 kg
  • Gesamt: 38 kg

Dazu kamen nun noch das Steppwams, Stiefel, Handschuhe und die Armschienen sowie die Beinschienen. Damit sind die 45 kg voll ausgenutzt. Das meiste davon ist allerdings sehr gut über den Körper verteilt, was die Belastung reduziert.

Im Verlaufe eines schweren Gefechts war es nichts Ungewöhnliches für einen Krieger, sein gesamtes Arsenal zum Einsatz zu bringen. Den Anfang eines Kampfs machte man mit dem Speer oder mit der Streitaxt. Beide Waffen haben jedoch gewisse Nachteile.

Die Streitaxt ist nur gut, solange man in der Offensive ist. Es ist eine Schock- und Terrorwaffe. Ein gutes Dutzend Waräger, die schwerstens gepanzert und gut ausgeruht mit Zweihandstreitäxten auf den Gegner anstürmen, können ein Gefecht bereits durch die schiere Wildheit dieses Angriffs entscheiden – wenn sie Glück haben.

Mit den Äxten machen sie mit ihren Gegnern kurzen Prozess, zerschmettern Schilde und durchdringen selbst taugliche Panzerung. Der Nachteil der Axt ist jedoch, dass sie nicht zur Defensive taugt und dass sie nur unter Anstrengung zu gebrauchen ist. Brachte der erste Schockangriff also nicht den Sieg ein, musste der Waräger die Waffen wechseln. Er ließ dann die Axt einfach fallen, zog sein Handbeil und nahm den Schild vom Rücken.

Der Speer ist hingegen eine gute Waffe für die Defensive. Er ist ebenfalls prima geeignet, um Kameraden, welche vor einem kämpfen, aus der zweiten Reihe zu unterstützen. Sein größter Nachteil im Kampf ist seine Haltbarkeit, denn die ist leider endlich. Je länger man kämpft, desto stärker wird der Holzschaft eines Speers beschädigt, bis dieser schließlich bricht. Ein anderer Nachteil ist die mangelnde Verteidigung gegen Pfeile und Schleuderkugeln. Sah sich ein Waräger mit einem dieser beiden Probleme konfrontiert, so gab er seinen Speer auf und zog auch diesmal Handbeil und Schild.

Das Schwert ist wiederum wirksamer als das Beil, wenn es gegen ungepanzerte Gegner geht, weshalb der Waräger es in solchen Fällen dem Beil vorzog. Ansonsten diente es vor allem als Notwaffe, wenn das Handbeil brach oder anderweitig verloren ging. Eine mögliche Art, das Beil zu verlieren war, es zu werfen. Das Gleiche gilt selbstredend auch für einen Speer. Wenn es sich anbot und man einen Gegner verwunden oder gar töten konnte, indem man sein Beil oder den Speer schleuderte, so war das exakt das, was ein Waräger getan hat, ohne zu zögern.

Der Dolch, ein sogenannter Scramasax, wurde nur im Handgemenge verwendet oder aber als letzte Notwaffe, wenn das Schwert brach oder verloren ging. Dabei sollte man allerdings beachten, dass ein Scramasax ziemlich groß war. Die meisten hatten eine Klinge von einem Unterarm Länge und mehr! Es handelte sich also um durchaus veritable Kurzschwerter und keineswegs um Pfadfindermesser.

Die Kampfweise der Waräger hatte bei der schweren Infanterie – der Kriegerelite – für fast 500 Jahre Bestand. Zwar verdrängte die Plattenrüstung erst teilweise, schließlich am ganzen Körper, den Kettenpanzer, aber leichter wurde die Rüstung dennoch nicht. Nur beweglicher und angenehmer zu tragen.

Lediglich der Speer verlor an Bedeutung, und als die Rüstungstechnologie ihren Höhepunkt erreichte, erging es so auch dem Schild. Schwere Streithämmer und noch schwerere Äxte übernahmen den Platz von Stielaxt, Handbeil und Spieß.

Zu Pferd wurde die Lanze bedeutender, nicht nur, weil sie dank Steigbügel und Brusthaken schwerer und wirksamer wurde, sondern auch, weil sie genau das sein musste, um gegen die besseren Rüstungen wirksam zu bleiben. Ob die Krieger eines Volkes jedoch bevorzugt zu Pferd kämpften oder zu Fuß, war vor allem eine Frage der lokalen Präferenzen und der Mittel. So kam es nicht selten vor, dass die Kriegerelite das Pferd nur nutzte, um schneller von A nach B zu gelangen, zum Kämpfen dann jedoch abstieg. Zwar waren viele Ritter störrisch, was den Kampf zu Fuß anging, aber ab dem 13. Jh. wurden sie zunehmend dazu genötigt, genau das zu tun.

Dazu brauchten sie immer noch keinen Kran, was unterwegs auch kaum praktikabel gewesen wäre, und sie lagen auch nicht unablässig hilflos auf dem Rücken wie Schildkröten.

Ein Krieger in unserem Sinne ist ein professioneller Kämpfer, der die beste verfügbare Ausrüstung seiner Zeit verwendet. Was heißt das aber genau? Was schränkt ihn ein?

Vor allem das Gewicht seiner Ausrüstung, und das blieb durch die Jahrhunderte hindurch gleich: 45 kg. Das Schwerste und auch Teuerste an der Ausrüstung war die Panzerung. Diese war allerdings nie so schwer oder so behäbig, dass man sich damit zu Fuß nicht sinnvoll bewegen konnte. Das lag nur schon daran, dass das Gewicht gut über den gesamten Körper verteilt war. Der Schildkrötenritter mit dem Hebekran ist deshalb auch ein Mythos.

Die Mitglieder der Hausgarden von europäischen Fürsten waren keine romantischen Ritter, sondern knallharte Elitekrieger. Ihre Ausrüstung war mannigfaltig und auf ihren Zweck maßgeschneidert.

So hatten Profis auf dem Schlachtfeld üblicherweise 2 bis 4 Waffen bei sich. Die Mitglieder der Warägergarde der byzantinischen Kaiser begab sich typischerweise selten ohne ihre Langaxt, ihr Handbeil, ihr Schwert, ihren Scramasax und ihren Schild in die Schlacht; und alles davon kam auch zum Einsatz. Wollte man mehr zum Schlachtfeld mitbringen, war es Zeit für ein Pferd. Diese 45 kg Last verteilten sich ungefähr so:

  • Kettenpanzer (leicht): 15 kg
  • Lamellar: 8–10 kg
  • Helm: 2–3 kg
  • Schild: 3–5 kg
  • Dolch & Schwert mit Gehänge: 2,5 kg (1,2 kg Schwert; 0,7 kg Dolch; 0,6 kg Scheiden/Gürtel)
  • Handaxt: 2 kg
  • Hauptwaffe, z.b. Langaxt oder auch Speer: 2,5–3,5 kg
  • Bewaffnung und Rüpstung: 38 kg. Das Steppwams, die Stiefel, die Handschuhe, die Armschienen sowie die Beinschienen führen dann zu den 45 kg Gesamtgewicht.

Quellen: siehe dieser Artikel hier.

Blog abonnieren und nichts mehr verpassen