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Thanksgiving bei der Wolperratte

Lesezeit: 5 Minuten

„Ah! Pass doch auf!“, rief Tobias aus dem Flur. Torsten hatte ihn gerade gebeten noch etwas Sahne aus der Vorratskammer zu holen, denn wie immer lag der letzte Teil der Arbeit ganz bei uns Menschen. Genauso wie der Mittelteil davor. Die Wolperratte hatte schließlich den Truthahn gejagt und darauf bildete sie sich eine Menge ein. Jedenfalls wäre er dabei gerade beinahe fies gestürzt, weil Wolpi ihm quer durch die Beine gerannt war, um zur Tür zu eilen. Es hatte nämlich soeben geklingelt.

„Selber aufpassen!“, meckerte die Wolperratte zurück und erklomm den Türrahmen, um den Türschließerknopf zu betätigen. „Du weißt doch, dass ich noch keine neuen Flügel habe! Da müsst ihr schon mal ne Weile nach unten gucken, ehe ich wieder am Fliegen bin!“

„MEH!“, machte der Gast, als die Tür sich öffnete und Wolpi jubelte zurück.

„Waschbär! Alte Gurke! Wie war der Verkehr?“

„Meh. Mehmeh, meh. Meh!“

„Ja. Ja. Verstehe.“ Wolpi nickte und ließ den Waschbären mitsamt Chauffeurin und persönlichem Assistenten erst einmal in unseren Flur. „Der Verkehr ist scheiße um die Zeit. HEY TOBI! DARF ICH HEUTE SCHEISSE SAGEN?!“

„NEIN!“, entgegnete der Exil-Schweizer, der sich mittlerweile von seinem Schock erholt hatte und in der Küche angekommen war. Es war allgemein besser, wenn man Wolpi nicht all zu viele Unflätigkeiten durchgehen ließ. Sein Vater war immerhin eine waschechte Berliner Kanalratte gewesen.

„Na gut. Dann war der Verkehr eben wie üblich.“

Wolpi war ganz offenbar in bester Stimmung, denn auf diesen Besuch hatte er sich schon seit Tagen gefreut.

„Mein Freund der Waschbär kommt!“, hatte es da immer wieder geheißen.

„Wisst ihr, dass der ein Star ist? Der ist die plüschigste Nummer auf Instagram. Hat Follower ohne Ende. Der kommt dann zum Thanksgiving. Da mach ich Truthahn!“

Natürlich bedeutete das nur, dass wir Truthahn machen mussten, aber Wolpi ist da ganz Berliner: Rot-Rot Sozialdemokratisch-Sozialistisch. Solange er ir-gend-etwas dazu beigetragen hat, genügt ihm das, um die ganze Arbeit zu kollektivieren. Danach besteht er dann darauf, dass alle Namen in zufälliger, genderneutraler Reihenfolge gelistet werden. Da landet er dann zufällig immer auf Platz eins.

„Jedenfalls, der Wachbär kommt!“

Ja. Wissen wir. Und jetzt ist er da.

„Die Anne! Der Olli!“ begrüßte Tobi das Personal des prominenten Gastes. Das A und O der Operation. Torsten rief etwas inhaltsgleiches aus der Küche. Kurz darauf begrüßten sich alle einander noch mal im Wohnzimmer.

Wolpi und der Waschbär begutachteten da bereits zufrieden den Truthahn.

„Prächtig, was?“, meinte Wolpi.

„Meh!“, stimmte der Waschbär enthusiastisch zu und nickte.

„Der hat jetzt nochmal… uhm… Torsten?! Wieviel hatte der jetzt nochmal?“

„220 Grad. Für 20 Minuten. Wie in deinem Rezept.“

„Ah.“ Wolpi nickte. „Ja, klar. Also der hatte jetzt grad nochmal 220 Grad, für das an Minuten was Torsten da gesagt hat.“

„Mehmeh, meh!“, murmelte der Waschbär voller Vorfreude.

„Der muss jetzt kurz ruhen während meine Kollegen hier nur noch schnell die Sauce fertig machen und die köstliche Brotzubereitung. Also die Füllung. Aber wir machen etwas mehr davon als in den Vogel passen würde, weil die so lecker ist.“

„Meh?“

„Nee!“, Wolpi lachte kurz und winkte ab. „Heute hat keiner von uns seit früh morgens in der Küche gestanden. Das Vieh macht sich praktisch von selbst. Niedrigtemperaturmethode. Der war jetzt so um die 20 Stunden im Ofen bei 80°. Davon wird der super zart und bleibt echt total saftig. Da machst du Augen! Also… noch mehr als sonst. Hehehe…“

„MEH! Mehmeh, meh!“

„Hört mal auf zu streiten und schaut da rüber“, mischte sich Torsten ein. Tobi und Steffie brachten bereits die Kartoffeln und die Cranberrysauce auf den Tisch. „Anne will ein Foto machen! Also Wolpi, zeig mal deine hübschen Zähnchen und sag Cheese!“

Nach dem Foto war dann erst mal Ruhe in der Küche, so das Torsten dort schnell alles fertig machen konnte. Die Wolperratte führte den Waschbär etwas herum und beide stießen mit einem Glas frischen Wassers an. „Berliner Leitungsheimer“, nannte Wolpi das immer. „18er Jahrgang! Bester Stoff.“

Dazu musste man wissen, dass der Waschbär gerade erst sein Alkoholproblem in den Griff bekommen hatte. Zwölf Schritte und alles drum und dran. Wir sind alle mächtig stolz auf ihn, aber wir wollen ihn auch erst mal nicht in Versuchung führen. Daher war nirgends am Essen Alkohol. Auch nicht an der Gravy.

Dass der Waschbär mit dem Trinken anfing, ist auch gar nicht seine Schuld. Er führt ein aufregendes Szeneleben und kommt viel rum. Da wird immer irgendwo was getrunken. Sektchen, Bierchen, Whiskey hier, Gin da und noch ein Prosecco vielleicht? Da hat er dann eben mal das Maß verloren. Er ist aber eigentlich nicht der Typ dafür und hat ein starkes soziales Netz, Freunde die ihn unterstützen und Personal, das ihm hilft das wieder in den Griff zu kriegen. Deshalb ist er heute auch bei uns zum Thanksgiving. Wolpi ist sehr bodenständig. Besonders, wenn er gerade mal keine Flügel hat. Warum er die abgeworfen hat, wissen wir alle nicht so recht, weil er seitdem immer nur nörgelt, dass er jetzt nicht mehr fliegen kann. Die wachsen aber bald nach. Wolpi ist immer super drauf und da dachten wir uns, dass er ein guter Einfluss auf den Waschbären sein könnte. Die beiden verstehen sich auch ganz großartig. Das sieht man ja auch auf den Bildern.

Der Abend war dann auch super. Details sind privat. Da kann man nichts machen. Der Waschbär muss da auch aufpassen sein öffentliches Leben von seinem Privaten zu trennen. Jeder muss ja mal ausspannen und dann sind eben auch die Kameras aus.

War aber ein voller Erfolg. So viel sei verraten. Für Wolpi und den Waschbär genauso, wie für Donnerhaus und Freunde. Daher nochmal nachträglich frohes Thanksgiving!

Morgen findet dann die Ziehung unserer Thanksgivaway-Gewinner statt! Wir sind schon gespannt.

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