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Die Menschenfänger-Hellebarde – Donnerhaus Waffenkunde Spezial

Lesezeit: 6 Minuten

Vor ein paar Tagen machte mich Christian Ziermann („JackWolfskind“) im Discord des DSA-Forums auf eine Kombinationswaffenidee aufmerksam: Eine Hellebarde, die an dem der dem Hellebardenblatt gegenüberliegenden Ende des Stiels über einen sogenannten Menschenfänger verfügt. Und ja, das Wort Hellebarden-Menschenfänger-Kombinationswaffenkonzept ist in etwa genauso handlich, wie eine Hellebarden-Menschenfänger-Kombinationswaffe.

Ich fand den Gedanken dennoch ganz witzig und wie ich so bin war mein zweiter Impuls, dass das auch besser zu lösen sein muss. Mein erster Impuls war darauf hinzuweisen, dass die von Christian gepostete Waffe eigentlich keine Hellebarde zeigte, sondern eine Bardysche, bzw. eine Langaxt. Konkret in diesem Fall eine Neethaer Langaxt aus DSA. Aber das ist nicht einmal ansatzweise so interessant, wie dem Bedürfnis nachzugehen die perfekte Menschenfänger-Hellebarde zu bauen.

Menschenfänger-Hellebarde Kombinationswaffe Konzeptidee

Menschenfänger-Hellebarde. Bzw. Menschenfänger-Hellebarden-Kombinationswaffe. Soweit so klar. Aber … Moment, was soll das jetzt eigentlich sein?

Hellebarde

Eine Hellebarde ist eine Stangenwaffe der Infanterie. Sie wird praktisch nur von Fußtruppen verwendet. Sie besteht aus einem Stab der zwischen anderthalb und zwei Metern misst. Selten mehr als das. Am Ende dieses Stabes befindet sich ein wuchtiger Kopfteil, der eine Stoßspitze nach vorn aufweist, ein langes Axtblatt zur einen Seite und einen ausgeprägten Haken zur anderen. Ohne den Haken ist es keine Hellebarde, sondern nur eine Stangenaxt und wenn die Stoßspitze kein eigenständiger Teil ist, sondern aus dem Schlagblatt herausgearbeitet ist, spricht man von einer Bardysch, oder auch Trabantenaxt.

Unsere Waffe muss also ein Schlagblatt besitzen, eine eindeutige und eigenständige Stoßspitze sowie einen Haken.

Menschenfänger

Der Menschenfänger hat einen Stiel von ähnlicher Länge, wie der einer Hellebarde. Am Ende dieses Stiels befindet sich das sogenannte Fangeisen, ein nach vorne offener Dreiviertelkreis aus Metall mit irgendeiner Form von Schnappvorrichtung.

Der Menschenfänger ist eine der wenigen nicht-tödlichen Infanteriewaffen, denn er dient nicht dazu irgendwen umzubringen. Sein Zweck ist es wertvolle Geiseln möglichst unverletzt zu erbeuten. Man versucht sie am Bein oder um den Hals zu fassen und vom Pferd zu ziehen, um sie dann festzuhalten.

Dabei darf man sich vom Erscheinungsbild dieser Objekte nicht täuschen lassen. Viele davon verfügen über ausgeprägte Zacken und Dornen, bei denen man zunächst denken mag, dass diese den Gefangenen recht schwer verletzen würden. Hier muss man trennen zwischen zivilen und militärischen Menschenfängern.

Ein ziviler Menschenfänger wird von Bütteln dazu verwendet gefährliche Gefangene zu transportieren oder Verbrecher einzufangen. Der militärische Menschenfänger hingegen dient der Geiselnahme von Adeligen und Offizieren in Kämpfen oder im Umfeld von Gefechten. Diese Leute sind jedoch allesamt schwer gerüstet. So schwer, dass ein glatter Menschenfänger mitunter nicht genug Griffigkeit besitzt.

Die Dornen dienen nicht dazu das Ziel zu verletzen, sondern dazu mehr Griff gegenüber dessen Rüstzeug zu entfalten. Dornen verhaken sich beispielsweise hervorragend in Kettengeflecht, beißen stärker in Plattenfugen und können so mehr Kraft ausüben.

Pen-Pineapple-Apple-Pen

Kombinieren wir nun beides miteinander. Nur was spricht dagegen eine der beiden Waffen an jedes Stielende zu montieren? Ein Youtuber namens Shad Brooks brachte diese Idee in einem Video auf, wie mir berichtet wurde.

Dagegen spricht, nun, eigentlich alles. Beide Funktionen würden einander maximal behindern, indem sie eine grotesk schlecht ausgewuchtete Waffe produzieren würden. Zudem müsste man die Waffe ständig hin und her drehen, um die Funktion zu wechseln. Dabei würde man Gefahr laufen sich nach hinten an Kameraden oder der Vegetation zu verhaken, wenn man nach vorn mit dem Hellebardenende kämpft.

Dahingegen würde man beim Gebrauch als Menschenfänger riskieren, die eigenen Mitstreiter und sich selbst mit dem Hellebardenende zu verwunden. Zudem müsste man die Waffe insgesamt unnötig verlängern, damit die jeweilige Einzelfunktion die gewünschte Griff-Führung hat. Das ist also vom Tisch. So machen wir es nicht.

Die Vokuhila-Methode

Der Vokuhila, auch bekannt als vorne Geschäft, hinten Party, soll unser Vorbild sein. Hellebarden-Schlagblatt auf der einen Seite und Menschenfänger auf der Rückseite. Den Haken bekommen wir da auch noch unter.

Der Vorteil ist, dass man die Waffe nur um 90° rotieren muss, um von der einen Nutzung zur anderen zu wechseln. Das ist mit der Drehung eines Handgelenks getan. Der Kämpfer kann also jede Gelegenheit, die sich ergibt, ausnutzen. Er sollte dabei allerdings geschickt genug im Umgang mit seiner Waffe sein, um dem Ziel nicht versehentlich die Stoßspitze der Hellebarde in den Hals zu rammen. Allerdings trägt das Ziel vermutlich eh zumindest eine Kettenhaube um den Hals und man kann ja Leute auch erst einmal am Bein aus der Formation zerren.

Wie sinnvoll und nützlich ist das?

Menschenfänger Proof of Concept

Natürlich musste diese Frage früher oder später kommen. Also bringen wir es hinter uns: Nein, es ist nicht sehr sinnvoll und nicht sehr nützlich.

Der Menschenfänger ist ein Werkzeug für Stadtbüttel, wenn sie maximal sicher gehen wollen jemanden unverwundet zu fassen. Da will man keine Speerspitze und kein Axtblatt mit dran haben.

Er ist auch eine (eher obskure) Waffe gieriger Söldner, die wertvolle Geiseln erbeuten möchten. Auch da ist es nicht wirklich von Vorteil beides zu kombinieren, da das Resultat eben eine unhandlichere Hellebarde und ein weniger effektiver Menschenfänger ist.

Viel wichtiger ist jedoch, dass jede Hellebarde bereits von sich her gewissermaßen ein Menschenfänger ist. Man kann mit der Hellebarde nämlich noch einiges mehr als stechen, schlagen und haken.

Bereits die Fähigkeit zu haken kann dazu genutzt werden, einen Gegner unter Kontrolle zu bringen, aber darüber hinaus kann man ihn danach auch mit der Oberkante des Axtblattes am Boden festnageln. Nicht so gut wie mit einem Menschenfänger, aber wenn der Gegner dann immer noch renitent ist, kann man ihn auch einfach mit der flachen Breitseite der Hellebarde ein wenig dreschen, oder die Hellebarde umdrehen und ihn mit dem Stielende verprügeln bis er aufgibt.

Idealerweise ist man ohnehin nicht allein, wenn man eine Geisel im Kampf nehmen will. Hat man also ein bis vier Kameraden und sie alle führen Hellebarden, dann kann man die wertvolle Geisel einfach zu mehreren Haken, zu sich hinzerren und dann einfach waffenlos oder mit Dolchen überwältigen. Was viele Rollenspieler nämlich leicht vergessen: Man kann seine Waffe auch einfach loslassen.

Zusammenfassung

Die Kombination aus Menschenfänger und Hellebarde ist möglich. Wirklich sinnvoll ist sie jedoch nicht. Wir finden dennoch, dass es eine witzige Idee ist und das es ziemlich cool aussieht. Außerdem müssen besondere Charaktere, Spieler- wie Nichtspielerprotagonisten, ja auch nicht immer nur mit den absolut sinnvollsten Waffen unterwegs sein.

Es soll ja auch exzentrische Helden und Bösewichter geben, die sich eine Maßanfertigung herstellen lassen und sich nicht darum scheren, dass es andere Wege gäbe das gleiche Ziel zu erreichen. Auch sind Helden ja öfter mal Einzelkämpfer.

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