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Waffenkunde 8: Axt & Hacke

Lesezeit: 16 Minuten

Wieder eine Waffe, die ursprünglich ein Werkzeug gewesen ist. Zufall? Natürlich nicht, denn es sind genau die Eigenschaften, durch die eine Axt zu einem nützlichen Werkzeug wird, die sie auch zu einer wirksamen Waffe machen.

Im Rollenspiel kennen wir Äxte vor allem als die bevorzugte Waffe von Zwergen und Nordmännern, gelegentlich auch in Händen von brutalen Orks. Die wenigsten wissen anscheinend, dass Äxte nicht nur bei Ottonormal-Wikingern, fettleibigen Tunnelwikingern und Wölfe reitenden Grünhautwikingern beliebt waren.

Nein, die Axt ist eine der ältesten Waffen der Menschheitsgeschichte, und sie ist auch einer der treuesten Begleiter unserer kriegerischen Spezies.

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Funktionsweise

Eine Axt unterscheidet sich von einer stumpfen Wuchtwaffe insofern, als sie im Gegensatz zu Keulen, Streitkolben und Hämmern ihre Kraft in einer schmalen Klinge konzentriert. Anders als bei Speeren und Keulen gibt es auch keine reinen Holz- oder Hornäxte. Erst als der Mensch anfing, verschiedene Werkstoffe zu kombinieren, entstanden die ersten Äxte. Das ist auch vollkommen einleuchtend, denn mit einem Objekt, welches nur aus Holz oder Horn besteht, kann man nicht besonders gut Bäume fällen.

Mindestens ein Steinkopf sollte es schon sein; und da es bei der Axt darum geht, sich möglichst gut durch stabiles Material hindurchzuarbeiten, ist dieser Kopf auch zu einer schmalen Kante geformt. So konzentriert sich die gesamte Kraft eines Schlags – die Wucht der Gewichtskraft und die Hebelwirkung der Stiellänge – auf eine möglichst geringe Fläche. Es ist die gleiche Wirkungsweise, wie sie bei einem Hiebschwert zum Einsatz kommt.

Allerdings ist die Axt schwerer als ein Schwert, und im Gegensatz zum Schwert konzentriert sich die Kraft allein im oberen Ende der Waffe. Ganz so wie bei einem Streitkolben auch.

Axt, Beil oder Hacke?

Wie man eine Axt nun genau bezeichnen mag, ist jedem selbst überlassen. Manche nennen die handlichsten Varianten gerne Beil, das Mittelmaß Axt und die größten Exemplare Hacke. Andere hingegen reservieren den Begriff der Hacke für Werkzeuge, die wie eine Axt gebaut sind, aber ein um 90° gedrehtes Blatt haben und dazu dienen, den Boden aufzubrechen oder Furchen zu graben. Korrekt ist es aber, davon zu sprechen, dass man mit einer Axt nicht „axtet“ oder „beilt“, sondern eben hackt.

Daraus lässt sich jedoch wiederum nicht ableiten, dass Hacke der passendere Begriff wäre. Er ist sogar, mit Abstand, der ungewöhnlichste. Aber es spielt auch eigentlich keine Rolle, und es sind ja auch nur die verschiedenen Begriffe in deutscher Sprache. Archäologen unterscheiden Axt und Beil beispielsweise anhand der Montage des Kopfs. Wenn der Kopf in ein Loch im Schaft eingesetzt ist oder mit einer Spange gehalten wird, handelt es sich um eine Axt, hat der Schaft jedoch kein Loch, so ist es ein Beil. Andere Sprachen haben zusätzlich noch ganz andere Begriffe, und für die meisten Menschen spielt es auch keine Rolle, wie Archäologen irgendwas bezeichnen. Kein einziger dieser Begriffe ist tatsächlich unwiderlegbar beschreibend oder ohne Beleg gegenteiliger Nutzung, weshalb wir hier einfach nur ganz allgemein und undifferenziert von Äxten sprechen wollen.

Nomenklatur

Eine Axt besteht aus zwei wesentlichen Teilen: Stiel und Kopf. Das untere Ende des Stiels ist oft verdickt oder nach vorn gewinkelt, um bessere Griffigkeit bei kräftigen Schlägen zu ermöglichen. Dieser Teil ist der Stielknauf der Axt. Am oberen Ende ist der Schaft häufig verdickt, um dem Axtkopf besseren Halt zu bieten und ein Verdrehen des Kopfs mit dem Axtblatt bei Krafteinwirkung zu verhindern. Diese Verdickung wird als die Stielschulter bezeichnet. Durch das Auge des Kopfs ist der Stiel mit dem Axtkopf verbunden und dahinter oft mit eingeschlagenen Nägeln oder Keilen verdickt, um ein Verrutschen zu verhindern. Hier kann auch ein Doppelnagel eingeschlagen werden, der zusätzlich als Stoßdorn fungiert.

Der Kopf selbst besteht im Wesentlichen aus dem Schneidblatt, der sogenannten Wange. Den unterhalb des Augenteils überragenden Teil der Wange bezeichnet man dabei als den Bart der Axt. Manche Äxte haben nur sehr wenig Bart, aber die meisten Kriegsäxte verfügen über einen sehr ausgeprägten Bart. Ist ein Axtblatt mit der Wange nach vorn verlängert, dann bezeichnet man dies als Dorn oder Horn. Der Wange gegenüber befindet sich der Nacken der Axt, der optional in einen Hammerkopf oder einen Schlagdorn übergehen kann. Im Falle einer Doppelaxt befindet sich dort eine weitere Wange.

Wirkung, Stärken und Schwächen

Eine Axt kombiniert, wie bereits angedeutet, die Vor- und Nachteile von Schwert und Streitkolben. Sie ist wuchtig wie ein Streitkolben, konzentriert ihre Kraft jedoch wie ein Schwert auf einen kleinen Bereich. Eine Axt dringt daher tief in alles ein, was ihre Klinge zerschneiden, zerreißen oder auf schmalem Grat zerquetschen kann. Äxte durchdringen wirksam Textilpanzerungen, an denen Schwerter und Pfeile scheitern, und sie können Platten durchbrechen, die von stumpfen Waffen lediglich eingedrückt werden.

Der Axt kann allerdings zum Verhängnis werden, dass sie zu wirksam ist. Was man bei Schusswaffen heute als das sogenannte „Overkill-Potenzial“ bezeichnet, also Durchschlagskraft und Wundwirkung weit jenseits dessen, was vom vorgesehenen Ziel absorbiert werden kann, ist auch eine der Schwächen der Axt. Hier führt es spezifisch zur Gefahr, im Ziel stecken zu bleiben, wenn dieses nicht ausreichend Widerstand bietet. Was bei einem Baum praktisch nur dann passieren kann, wenn dieser unerwartet morsch und im Kern verfault ist, trifft auf jeden völlig ungepanzerten Menschen von Natur aus zu.

Mit der Wirksamkeit der Klinge hat die Axt jedoch auch eine der größten Schwächen mit dem Schwert gemein, denn genau wie beim Schwert erfordert ihr Einsatz ein viel höheres Maß an Übung und Geschick, als es bei Keule und Speer der Fall ist. Kantenausrichtung (engl. Edge alignment) ist hier das Stichwort.

Nur ein Auftreffen mit annäherungsweise 90° sorgt für maximale Wirkung, während bereits eine Abweichung um mehr als 10° dazu führen kann, dass der Schlag massiv an Wirkung verliert oder gar völlig wirkungslos vom Ziel abspringt. Das ist besonders dann der Fall, wenn man es nicht mehr mit einer improvisierten Waffe zu tun hat und anstelle einer Allzweckaxt eine echte Kriegsaxt als Waffe führt. Diese verzeiht nur unwesentlich mehr Fehler, als ein Schwert es tut, und der Umgang mit diesen Waffen erfordert daher auch nicht wesentlich weniger Übung.

Damit ist auch direkt ein Mythos über Äxte und Schwerter zugleich vom Tisch, nämlich, dass die eine Waffe nur für trainierte Profis geeignet ist, wohingegen die andere für jeden Amateur infrage käme. Stattdessen waren es die genau gleichen Profis, deren Standeswaffe das Schwert war, die den größten Gebrauch von Äxten aller Art machten, denn die Axt ist dem Schwert mitunter weit überlegen.ch von Äxten aller Art machten, denn die Axt ist dem Schwert mitunter weit überlegen.

Rüstungsdurchdringung

Die Streitaxt, wie man die Axt im Kriegsdienst nebst anderen Bezeichnungen oft nennt, ist immer dann eine gute Waffe, wenn der Feind Rüstung trägt, welche es zu durchdringen gilt. Je wirksamer die feindliche Rüstung ist, desto stärker spielt die Axt ihre Vorteile auch aus, denn gegen zu schlecht oder gar völlig ungepanzerte Ziele kann etwas sehr Problematisches geschehen: Die Axt kann, wie weiter oben erwähnt, so stark eindringen, dass sie irgendwo tief drin im Ziel stecken bleibt.

Der Gegner, den man getroffen hat, ist dann eventuell tot oder zumindest entsetzlich schwer verletzt. Aber was ist mit seinen Freunden, so er welche hat? Und was, wenn er nicht sofort tot ist? Selbst wenn er so schwer verwundet wurde, dass er eigentlich zum Sterben verdammt ist, kann es ja durchaus geschehen, dass er den Axtkämpfer noch schnell absticht und so mit in den Tod zieht. Und sei es mit etwas so Banalem wie einem Dolch.

Nicht ohne Zweitwaffe

Das ist ein Risiko, welches ein Axtkämpfer beachten muss. Daher war die Axt zwar eine sehr beliebte Waffe, aber kaum ein Nutzer dieser Waffe wäre jemals so dumm gewesen, sich völlig auf seine Axt zu verlassen. Ein Schwert und ein Dolch als Zweitwaffen waren fast überall die Norm. Berittene Kämpfer führten nicht selten ein ganzes Arsenal mit sich, das bei der Lanze seinen Anfang machte und dann die Progression von der Axt über den Streitkolben bis zu Schwert und Dolch nahm. Sogar mehrere Äxte am Sattel zu transportieren, war keine Seltenheit, denn wenn einer die Axt als seine Lieblingswaffe bevorzugte, musste er damit rechnen, im Kampf auch mal eine Waffe zu verlieren, besonders da die Axt leichter verhakt, stecken bleibt oder durch Schäden am Schaft unbrauchbar wird, als es bei einem Schwert der Fall wäre.

Für Rollenspiele bedeutet dies, dass der typische Zwergenkrieger oder Barbar, der nichts anderes als seine Axt mit sich führt, nicht besonders plausibel ist. Wenn man dieses Klischee bedienen möchte, speziell dann, wenn Waffenverlust und Verschleiß regelmechanisch keine Rolle spielen, kann man das natürlich trotzdem tun, weil es so schön ikonisch ist. Oder aber man sucht sich einfach bessere Vorbilder. So trägt Gimli in der Peter-Jackson-Verfilmung des Herrn der Ringe beispielsweise direkt mehrere Äxte, und in der späteren Verfilmung des Hobbits sind die Zwerge gleich mit einem ganzen Arsenal aus Äxten, Kurzschwertern und Dolchen unterwegs.

Wucht macht träge

Aufgrund der großen Kopflast, als des weit vom Griff weg entfernten Schwerpunkts, ist die Axt genauso schwerfällig wie der Streitkolben. Sie eignet sich daher nur wenig zur aktiven Parade feindlicher Waffen, und sie ermüdet ihren Nutzer schneller als Speer und Schwert. Auch fehlt es ihr an der Reichweite eines guten Speers, auch wenn es viele längere Axtformen gibt, wie beispielsweise die berühmte dänische Bartaxt. Selbst diese reichen jedoch nicht so weit wie ein Speer.

Ganz allgemein kann man sagen, das Äxte keine Waffe für die Selbstverteidigung sind, und sie taugen auch nichts für zögerliche Kämpfer. Die Axt ist eine aggressive Angriffswaffe. Wer sie nicht verwendet, um den Gegner unter maximalen Druck zu setzen und ihn so schnell es geht zu töten, der verwendet sie falsch. Als Alltagswaffe ist sie selbst dem Dolch unterlegen, da sie zusätzlich zu ihrer Trägheit auch noch unvorteilhaft zu ziehen ist. Der Ablauf „Griff ? Zug ? Bereit“ ist dem Dolch und dem Schwert vorbehalten. Wer eine Axt zieht, muss sie entweder zeitraubend aus einer Transporttasche befreien oder sie am Kopf aus einer Trageschlaufe ziehen und dann mindestens einmal mit der Hand umgreifen.

Die schlechte Verteidigung lässt sich durch die gleichzeitige Nutzung eines Schilds allerdings vollkommen aufheben! Wer einen guten Schild besitzt, der braucht nicht mit seiner Waffe zu verteidigen und kann den nötigen Abstand auch nur mit dem Schild halten.

Günstig und einfach

Zwar erfordert es kaum weniger Geschick, eine Streitaxt zu führen, als ein Schwert, aber in der Herstellung liegen Welten zwischen beiden Waffen. Äxte profitieren zwar von gutem Stahl durchaus, aber sie verzeihen auch schlechten. Bei einer Axt hat ein Schmied viel mehr Spielraum, um Mängel seines Arbeitsmaterials zu kompensieren oder eigene Unzulänglichkeiten zu umschiffen.

Schlechte Schwerter zerbrechen, aber eine schlechte Axt ist mitunter einfach nur hässlicher und schwerer als eine gute oder weniger haltbar. Aber solange sie den Kampf übersteht, für den sie gedacht ist, hat sie ihren Zweck bereits ganz gut erfüllt.

Auch dies ist ein Grund, weshalb die Wikinger bekannt waren für ihre Liebe zu Speer und Axt, denn ihr Stahl war von eher mäßiger Qualität. Material für Schwerter musste aufwendig importiert werden. Dazu reisten Händler unter anderem über die Wolga-Route und die Waräger-Wege bis zu den Samaniden und den Abassiden im heutigen Kaukasus und in Persien.

Was braucht man zur Herstellung noch neben dem Stahl für den Kopf? Nicht mehr als ein Stück solides Holz für den Schaft, und wenn man mag, etwas Leder oder Zwirn, um den Griff zu umwickeln. Das ist allerdings optional und bei langstieligen Zweihandvarianten oft auch nicht wünschenswert, da es das Spiel der Hände beeinträchtigt und die Verkürzung der Waffenführung erschwert.

Vielseitigkeit

Äxte gehören zu einer der vielseitigsten Waffenfamilien überhaupt, denn Axt ist nicht gleich Axt. So gibt es Äxte, die gleichzeitig auch noch Hämmer sind. Es kostet schließlich praktisch nichts, dem Axtblatt einen Hammerkopf auf der Rückseite zu geben. Und auch bei einer Axt, die keinen speziellen Schlagkopf hat, kann man auch ohne Schwierigkeit mit der flachen Rückseite des Axtkopfs zuschlagen. Schließlich ist das zumindest ein eisenbeschlagener Holzstiel.

Andere Äxte wiederum haben Haken oder Hackdorne auf der Rückseite, genau wie bei einem Streithammer; und ebenso wie bei den Streitkolben sind auch Dorne in Schaftrichtung, also quer zum Axtblatt, kein Ding der Unmöglichkeit. Derartige Dorne können dabei helfen, mit der Axt eine gegnerische Waffe besser zu parieren, oder fungieren als zusätzliche Möglichkeit, Kleidung, Schild, oder Waffe wie mit einem Zughaken zu haken und so den Gegner zu behindern oder sich eine Öffnung für den Angriff zu erarbeiten.

Dabei ist die größte Frage für den Anwender, mit welcher Art von Gegnern er rechnet. Rechnet er mit ungerüsteten und leicht gerüsteten Gegnern, so ist die Axt mit dem Hammerkopf eine gute Wahl. Anders als das Axtblatt bleibt nämlich der Hammerkopf nicht stecken und ist sehr wirksam gegen ungepanzerte Feinde. Rechnet man mit mittelschwer bis schwer gepanzerten Gegnern, so tut auch hier der Hammerkopf gute Dienste. Je nach Situation hat man aber vielleicht besser doch einen panzerbrechenden Schlagdorn zur Hand. Ein Dorn ist zusätzlich zu mehr gut als nur für panzerbrechende Schläge. Er kann regelrecht als Stemmeisen benutzt werden, sowohl gegen feindliche Plattenrüstung als auch gegen Tür und Tor, Verschlag und Gebälk.

Doppelt hält nicht besser

Ein zweites Axtblatt jedoch, wie bei vielen Fantasy-Äxten, sucht man in der realen Geschichte unter den Waffen weitgehend vergeblich – von einigen Ausnahmen einmal abgesehen. Praktisch alle vermeintlichen Kriegsäxte mit doppeltem Schlagblatt waren reine Zier- und Ritualobjekte, denn ein zweites Axtblatt erfüllt keinerlei Funktion. Es ist schlichtweg überflüssig, macht die Waffe ohne Nutzen schwerer und kostet auch noch unnötig Geld. Sicher, es sieht ziemlich beeindruckend aus, aber auf echten Schlachtfeldern finden keine Schönheitswettbewerbe statt.

Völlig anders sieht es allerdings bei Holzfälleräxten aus! Hier geht es vor allem darum, die Axt so langstielig wie möglich führen zu können, ohne gleichzeitig die präzise Kontrolle über die Ausrichtung zu verlieren. Eine Axt mit zwei identischen Blättern ist automatisch perfekt ausgewogen auf zwei von drei Achsen und will sich daher nicht von selbst verdrehen. Obendrein kann man beide Blätter schärfen und so länger ohne Unterbrechung arbeiten, ehe man sie nachschleifen muss. Im Kampf ist das aber kein Vorteil, denn die langstielige Führung, die dem Holzfäller Kraft spart, geht enorm auf Kosten der Angriffsgeschwindigkeit und macht eine Kriegsaxt anfälliger für gegnerische Entwaffnungsversuche.

Nicht nur hacken, sondern auch haken

Selbst eine ganz normale Axt ist aber bereits ziemlich vielseitig. Mehr, als die meisten auf Anhieb denken mögen. Da fast alle Äxte ein 90° zum Schaft montiertes Schlagblatt haben, kann auch fast jede Axt dazu verwendet werden, zu haken. Mit der Unterseite des Blatts können feindliche Waffen gehakt und gezogen werden, ebenso Schilde oder der Gegner selbst. Auch Hals und Schulter sind dafür mögliche Ziele, und nicht immer ist es opportun oder möglich, stattdessen einen direkt Angriff zu führen, der zu einer Wunde führt. Wer den Schild eines Gegners mit der Axt haken und aus dem Weg ziehen kann, der kann mit etwas Glück und Geschick direkt mit einer Schildattacke nachsetzen, also einem Stoß mit der Schildkante, bevorzugt gegen Hals und Gesicht. Ein solcher Angriff kann tödlich sein – zumindest aber schmerzhaft. Alternativ kann ein befreundeter Kämpfer eine solche Öffnung für einen eigenen Angriff gegen den Gegner nutzen.

Form des Blatts

Für nahezu jeden Zweck gibt es eine Blattform, die besonders vorteilhaft ist. Vereinfacht kann man sagen, dass ein Blatt umso schmaler ist, je tiefer es eindringen soll und je härter das Material ist, das es zerschneiden muss. Eine breite Klinge mit einem prominenten Blattbart hingegen ist besser geeignet, lange Schnitte zu erzielen. Das bedeutet beim Fällen eines Baums mehr abgetragenes Holz pro Schlag und im Kampf größere Oberflächenwunden mit geringerer Eindringtiefe.

Blattdicke

Auch was die Dicke des Blattes angeht, ist Axt keineswegs gleich Axt! Je dicker das Blatt, desto robuster ist es zwar und desto besser spaltet es Holz, gleichzeitig verschlechtert sich jedoch der Winkel der Schneidflächen, sodass die Axt weniger scharf wird. Die beste Spaltaxt ist eine lausige Kampfaxt und verhält sich gegen Gerüstete eher wie ein gänzlich stumpfer Hammer.

Hart wie Stahl – oder auch nicht

Auch die Härte einer Axt ist davon abhängig, wozu sie verwendet wird. Harter Stahl hält seine Schärfe besser, doch ist er auch spröder und kann leichter splittern. Auch ist ein weicherer Stahl einfacher zu schärfen. Wer also eine Birke fällt, der wird dazu lieber eine Axt aus etwas weicherem Stahl verwenden wollen, die sich leicht scharf halten lässt. Muss man jedoch hundert Birken nacheinander fällen, ist es vielleicht sinnvoller, eine härtere Axt zu verwenden, damit man nicht ständig nachschärfen muss.

Kriegsäxte hatten daher im Idealfall, genau wie Schwerter auch, ein vergleichsweise weiches Blatt und eine möglichst harte Schneide. Das wurde entweder erreicht, indem man Schneide und Blatt einer besonderen Hitzebehandlung unterzog und so lokale Härteunterschiede innerhalb des Axtkopfs erreichte oder aber durch das Einarbeiten eines härteren Stahlstreifens in die Schneide noch während des Schmiedevorgangs.

Aus all dem geht daher auch hervor, weshalb Handwerksäxte zwar gute Waffen für einen spontanen Streit oder einen improvisierten Mord waren, aber nicht so gut zum Kampf taugten wie Äxte, die speziell dafür geschaffen waren. Es gilt auch, wie für vieles andere, dass eine Kriegswaffe nur gut sein muss für eine Schlacht, und wenn man diese gewinnt, darf die Waffe danach auch ruhig Reparaturen benötigen. Besser lebendig und siegreich mit einer Waffe, die zum Schmied muss, als tot oder besiegt mit einer Waffe, die noch einen weiteren Kampf durchgestanden hätte.

Einige Axtformen

Es gibt allerlei verschiedene Formen, die weiter verbreitet waren. Im Folgenden finden sich einige archetypische Beispiele.

Handaxt

Sie ist, wie der Name schon sagt, handlich. Sie wird darum auch einhändig geführt. Am Stielende für kräftige Hiebe und kurz unter dem Kopf gefasst für Faustschläge. Mit den meisten Handäxten kann man gut haken, und bei Bedarf sind die meisten Handäxte auch einigermaßen wurftauglich. Eine bekannte Variante der Handaxt ist der Tomahawk der nordamerikanischen Ureinwohner. Allzweck-Haushaltäxte sind der kriegerischen Handaxt sehr ähnlich, aber oft weniger scharf, schwerer und allgemein wuchtiger. Die großen Holzfälleräxte sind dann noch einmal schwerer und ähneln in Teilen einer Kreuzung aus Handaxt und Langaxt.

Streitaxt

Eine Nummer größer und sozusagen der Anderthalbhänder unter den Kampfäxten. Reiter führen sie einhändig, Fußkämpfer oft auch mal zweihändig. Abgesehen davon, dass sie etwas länger ist, unterscheidet sie sich nicht von der Handaxt. Streitäxte haben aber oft zusätzliche Dorne zum Stechen und Hammerflächen zum Schlagen. Als Berg- und Enteräxte verfügen sie oft über einen panzerbrechenden Schlagdorn gegenüber dem Klingenblatt, auch wenn dieser bei beiden Varianten vor allem als Kletterhilfe dient. Die Bergaxt hat sich bis heute erhalten, nur dass wir sie heute Eispickel nennen und sie das senkrechte Blatt gegen eine Querhacke getauscht hat.

Langaxt

In diese Kategorie fallen alle langstieligen Zweihandäxte. Das reicht von der Dänenaxt der Wikinger bis zur Bardiche des Kiewer Rus, von der Stielaxt englischer Waffenknechte bis zur Mordaxt der Renaissance. Ihnen allen ist gemein, dass sie zwischen anderthalb und zwei Schritt lange Stiele haben und über schwere Schlagblätter verfügen. Langäxte haben oft keinen Stoßdorn, aber viele Formen besitzen ein Schneidblatt, dessen oberes Ende zu einer stoßtauglichen Spitze ausgeformt ist. Der Übergang von der Langaxt zur Hellebarde (von Helmbarde ? Holmbarte; Holm = Stiel und Barte = Axt) und Voulge ist fließend, auch wenn beide anders verwendet werden als ihre Vorläufer.

Zusammenfassung

Die Axt ist eine der ältesten Waffen der Menschheit und auch eines ihrer wichtigsten Werkzeuge. Sie ist einfach herzustellen, denn von Holz für den Griff abgesehen kann man für den Schlagkopf nicht nur Stein – wie in grauer Vorzeit –, sondern auch minderwertiges Eisen verwenden. Ein Schwert hingegen braucht nach Möglichkeit guten Stahl. Die Axt besteht darum auch aus zwei Kernelementen: Stiel und Kopf. Aus diesem Grund ist sie auch günstig herzustellen.

Ein Vorteil der Axt im Kampf ist ihre große Wirkung gegen Panzerung. Genau wie eine Keule konzentriert sie ihre Wucht auf einen kleinen Bereich, nämlich den Axtkopf. Das kann ihr allerdings auch zum Nachteil gereichen, denn sie kann gerne einmal stecken bleiben, wenn sie zu tief in das Ziel eindringt. Außerdem ist es genau wie beim Schwert wichtig, dass die Klingenkante perfekt ausgerichtet ist, ansonsten bleibt der Axthieb fast völlig wirkungslos.

Durch ihre große Wirkung gegen Panzerung war die Axt stets beliebt bei Kämpfern. Immer aber führte der kluge Streiter eine Zweit- oder sogar Drittwaffe bei sich. Es bietet sich auch an, die einhändige Axt mit einem Schild zu kombinieren, da sie zur Verteidigung nur wenig taugt. Sie ist klar eine offensive Waffe, die allerdings im Angriff sehr vielseitig ist, denn mit ihr kann man nicht nur hacken, sondern auch haken.

Arbeitsäxte und Streitäxte unterscheiden sich vor allem in der Form ihres Axtkopfs. Eine Spaltaxt für das Holzhacken benötigt eine wuchtige, breite Klinge, um zu spalten. Ein Beil für den Krieg hingegen sollte scharf und dünn sein, um seine Wirkung voll zu entfalten. Oftmals wurden die Axtköpfe auch mit Hammerköpfen oder Dornen kombiniert, die dann auf der Rückseite angebracht waren.

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