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Ehehindernisse im Frühmittelalter (500–1000) – Geschichtskrümel 33

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Heute geht es um die Ehe im Reich der Franken, genauer um einen Teilaspekt, nämlich warum eine Ehe nicht zustande kommen konnte oder wie man sich wieder scheiden ließ. Das fränkische Recht war in steter Entwicklung, und die zunehmende Christianisierung zwang die Gesellschaft dazu, nach und nach Kirchenrecht und althergebrachtes Recht einander anzugleichen. Vielleicht erinnern sich einige noch an meinen Artikel über die Wikinger-Ehe, welcher diesen Aspekt ebenfalls kurz anschneidet.

Weltliches und kirchliches Recht waren sich in einer Sache einig: Inzest war ein absolutes Ehehindernis. Das war nur schon deswegen so, weil im Kirchenrecht die Fortpflanzung als wichtiger Ehezweck festgeschrieben war. Sexualität aus reiner Lust heraus war nicht erwünscht – allerdings ließen auch die Leute im Frühmittelalter sich vom Priester nur bedingt in ihr Sexleben hineinreden.

Was ist Inzest nun aber? Zum einen war das Sex mit Verwandten und Verschwägerten bis zum siebten Grad. Zum anderen war das aber auch Sex mit gottgeweihten Jungfrauen – also unter anderem Nonnen.

Einige kirchliche Quellen verbieten zudem die Eheschließung mit Juden, zu denen das Christentum schon seit seiner frühesten Zeit eine zwiespältige Beziehung hatte (man bedenke die Vielzahl an Pogromen im Verlaufe der Jahrhunderte, ebenso widerlegte Klischees des Mittelalters wie „Juden kontrollierten den Sklavenhandel“).

Die frühen Rechtstexte, die das „alte“ Traditionsrecht beschreiben, enthalten auch andere Ehehemmnisse wie beispielsweise den sozialen Abstieg des höherstehenden Ehepartners, wenn man außerhalb seines Rechtsstandes heiratete (Freier heiratet Unfreie etc.). Dabei konnte auch Eigentum verloren gehen, oder man geriet unter die Herrschaft des Herrn des Partners.

Ab dem Jahre 800 herum ist es auch zunehmend rechtlich akzeptiert, außerhalb des eigenen Stammes zu heiraten. „Stämme“ meint hier Volksgruppen wie die Baiern, die Sachsen oder eben die Salfranken, die alle Teil des karolingischen Frankenreichs waren. Allerdings stand diese Entwicklung erst am Anfang, und es dauerte noch eine ganze Weile, bis sich das allgemein durchsetzte.

Die meisten Schwierigkeiten bereiteten hier die Unfreien, die nicht demselben Grundherrn untertan waren, denn jeder Herr wollte ja seine Knechte behalten, die ihm Arbeit und Abgaben schuldeten, und zukünftig über die Kinder der Eheleute herrschen. Die Ehe benötigte darum meistens die Zustimmung der Herren, die dann möglicherweise Kompensationen aushandelten.

Irgendwann kam es möglicherweise auch zur Scheidung. Mehr dazu in diesem Folgeartikel.

„Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Sie soll Spielern und Spielleitern als Anregung dienen und Inspiration fürs Rollenspiel bieten. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quelle: Goetz, Hans-Werner. Frauen im frühen Mittelalter. Frauenbild und Frauenleben im Frankenreich. Köln, 1995.

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