Frühe NeuzeitGeschichteGeschichtskrümelPen&Paper

Geldwert in der Vormoderne – Teil 3: Iran um 1640 – Geschichtskrümel 30

Lesezeit: 3 Minuten

Nachdem ich in den vorhergehenden Betrachtungen vor einigen Monaten (Teil 1, Teil 2) bereits etwas über das europäische Mittelalter erzählt habe (vorrangig England, Frankreich und das Heilige Römische Reich), möchte ich nun ein wenig in die Ferne schweifen und etwas über das Einkommen von Arbeitern im safawidischen Iran erzählen. Das mittlere 17. Jh. gilt gemeinhin als eine „Blütezeit“ der Safawidenherrschaft (1501–1722), wo auch breitere Bevölkerungsschichten in Wohlstand leben konnten.

Verglichen mit anderen asiatischen Ländern war Iran ein teures Pflaster. Das Lohnniveau war deshalb fast doppelt so hoch wie beispielsweise in Indien. Allerdings waren auch die Lebenshaltungskosten höher. Allgemein unterscheiden sich der Iran, Indien und China hier insofern, als es in Indien und China ein Leichtes war, mit Dutzenden Hausangestellten zu protzen. Dahingegen war es im Iran zwar ausgesprochen prestigereich, über einen angemessenen Haushalt zu verfügen, aber eben auch deutlich teurer.

Die Ernährung bestand vor allem aus Brot, Milchprodukten sowie Obst und Gemüse. Ergänzt wurde dies durch Reis und Fleisch, wobei der Reis importiert werden musste. Die Versorgung mit Lebensmitteln war teuer, denn die Infrastruktur und die trockenen Landschaften des damaligen Iran waren karg, und viele Böden waren nicht so fruchtbar wie anderswo – ein Problem, dass auch dem heutigen Iran noch zu schaffen macht. Zudem machte das weite Land den Transport schwierig.

So verdienten iranische Arbeiter also im internationalen Vergleich zwar relativ gut, nur mussten sie einen Großteil davon sofort wieder ausgeben, um ihren Lebensmittelbedarf zu decken. Ein einfacher Arbeiter lebte quasi direkt von der Hand in den Mund. Seine tägliche Ernährung bestand vorrangig aus Brot, Trockenfrüchten und Buttermilch. Eine reichhaltigere und vor allem abwechslungsreichere Speise war den Handwerksmeistern und den Facharbeitern vorbehalten. Die im Iran üblichen Geldgeschenke an Diener und einfache Beamte waren darum nicht nur eine nützliche Sache, um sich ihrer Loyalität zu versichern, sondern oftmals auch ein wichtiger Zuverdienst, der die Existenz sicherte.

Ähnlich wie in Europa war Hausrat von guter Qualität teuer. Die einfachen Häuser waren meist kärglich eingerichtet, sodass zumindest die Möbel kein gewichtiger Kostenfaktor waren. Dahingegen waren Metallwaren jeder Art teuer und kosteten gerne einmal einen oder mehrere Tageslöhne eines Handwerksmeisters. Stoffe waren vergleichsweise teuer, sodass sich bereits Kleidung aus gröberen Textilien in den Geldbeutel fraß.

Baumaterial musste wiederum oftmals von weiter weg herantransportiert werden, da nicht alle Teile des Landes über taugliche Baumbestände verfügten. Zudem schlug auch hier der Verbrauch von Metallwerkzeug zu Buche.

Auf dem Lande wiederum waren die Einkommen zwar niedriger, aber die Lebensmittel wurden größtenteils selbst produziert. Das führte dazu, dass der größte Kostenfaktor entfiel, was dem Landvolk, verglichen mit anderen Bereichen der Welt, einen relativ hohen Wohlstand erlaubte. Gut 80 % der Bevölkerung des Iran lebten damals als Bauern und Nomaden auf dem Land.

Ein Tagelöhner in der Stadt Isfahan konnte sich von seinem Einkommen von 14 bis 15 Qazbegi ca. 1 man (man-e Tabrizi = 2,9 kg) Brot leisten. Alternativ reichte es auch für die halbe Menge Reis, die doppelte Menge Joghurt beziehungsweise die vierfache Menge Buttermilch oder ¾ man Datteln. Das alles wiederum entsprach dem Gegenwert eines Huhns. Ein Handwerksmeister verdiente gut das Vierfache, Handwerksgesellen das Doppelte. Einfache Arbeiter konnten allerdings damit rechnen, dass sie für besondere Leistungen zusätzliches Geld erhielten.

„Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Sie soll Spielern und Spielleitern als Anregung dienen und Inspiration fürs Rollenspiel bieten. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quelle: Siebertz, Roman: Preise, Löhne und Lebensstandard im safavidischen Iran. Eine Untersuchung zu den Rechnungsbüchern Wollebrand Geleynssen de Jonghs (1641–1643). Österreichische Akademie der Wissenschaften: Wien, 2013.

Alle bisherigen Geschichtskrümel findest Du hier.

Blog abonnieren und nichts mehr verpassen

Per Newsletter informiert bleiben