Fallobst und Krieg – Geschichtskrümel 20

Fallobst und Krieg – Geschichtskrümel 20

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1536 befand sich die Valois-Dynastie von Frankreich – mal wieder – im Krieg mit den Habsburgern. Habsburg, das nicht nur das Heilige Römische Reich, sondern auch Spanien beherrschte, verfügte dank der frisch entdeckten „Neuen Welt“ über eine gut gefüllte Kriegskasse. Nachdem im Verlauf der vergangenen 20 Jahre diverse Kriege geführt worden waren, in denen die Franzosen immer wieder in den Frieden gezwungen worden waren, war es an der Zeit für Runde Nummer drei.

Die Franzosen fielen in Italien ein, um die verbündeten Osmanen zu entlasten. Karl V. musste umplanen und von weiteren Kriegszügen gen Osten absehen, als französische Soldaten in Savoyen einfielen und Milan bedrohten. Diesmal sollte der französische König nicht so leicht davonkommen wie zuvor. Nach zwei gebrochenen Friedensverträgen und seiner unverschämten Unterstützung muslimischer Piraten, welche in französischen Häfen Schutz fanden, war es an der Zeit den Franzosen eine Lektion zu erteilen.

Die Streitkräfte der Habsburger waren gewaltig. Die besten Kommandeure ihrer Zeit, zu Lande und zu Wasser, befehligten 60‘000 Mann unter Waffen. Karl war so siegessicher, dass er seinem Chronisten befahl, frühzeitig große Mengen Papier zu bestellen, um die anstehenden Siege auch aufzeichnen zu können.

Dagegen standen 60‘000 Franzosen, allerdings vorrangig gepresste Truppen und Söldner von unterschiedlicher Zuverlässigkeit und Kampfkraft. Die Angreifer, die sich jetzt in ihrem eigenen Land in der Defensive sahen, entschieden sich für das Prinzip der verbrannten Erde.

Lebensmittel, die nicht abtransportiert werden konnten, wurden vernichtet. Lagerhäuser wurden abgebrannt, die Tiere wurden geschlachtet, die Brunnen zugeschüttet oder verseucht, und Mühlen wurden zerstört. Das sollte dafür sorgen, dass die Versorgung der Habsburger mittelfristig nicht mehr zu gewährleisten wäre, sodass sie sich in ihre eigenen Länder zurückziehen müssten, denn die Häfen waren gut geschützt, sodass nur der Landweg für die Versorgung blieb.

Bei all der Zerstörung wurden allerdings die Reben und die Obstbäume verschont. Das geschah natürlich nicht aus Versehen. Die Hoffnung war, dass die einmarschierenden Soldaten ihrem Hunger reichlich nachgaben und ordentlich Obst verzehrten. Was die DGE heute jedem rät, war damals eine Gefahr. Zu viel Obst und Gemüse konnte sehr schnell zu Durchfall führen.

Die Habsburger entschieden sich dennoch einzumarschieren, auch wenn sie dazu riskierten, in einer wüsten und öden Provence eingekesselt zu werden, gedrängt zwischen den Alpen und dem Mittelmeer.

Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quellen: Harari, Yuval Noah. Special Operations in the Age of Chivalry, 1100–1550. Woodbridge, 2007.

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