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Waffenkunde 4: Das Schwert

Lesezeit: 14 Minuten

Nach Bögen und Armbrüsten ist dies nun der erste Artikel über Nahkampfwaffen, und ich habe mich nach gründlicher Überlegung für das Schwert entschieden, denn es ist das Schwert, das für sich in Anspruch nehmen kann, die erste Waffe zu sein, deren Zweck allein der Kampf gegen Menschen war. Man kann mit dem Speer gleichsam jagen, wie man kämpfen kann, und auch eine Axt ist gut als Waffe zu gebrauchen, aber es ist das Schwert, welches keine Funktion als Werkzeug hat. Es ist eine Waffe allein für den Kampf gegen andere Menschen.

Zusätzlich, vermutlich sogar genau deswegen, ist das Schwert weit mehr als nur eine Waffe. Es ist das Symbol der Herrschaft und des Kriegerstandes schlechthin. Man spricht beim kämpfenden Adel nicht umsonst vom sogenannten Schwertadel, und es ist nicht nur die ritterliche Waffe Europas gewesen. Auch in anderen Ländern hatten Schwerter einen vergleichbaren Stellenwert. Man denke nur an die legendären Katana der Samurai. Darüber hinaus ranken sich zahllose Mythen und Legenden um Schwerter. Jedes Kind hat sofort ein Bild im Kopf, wenn es den Namen „Excalibur“ hört.

Warum das so ist, werde ich im Zuge dieser Reihe zu erläutern versuchen. Zunächst einmal möchte ich aber erklären, was ein Schwert überhaupt ist.

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Was ist ein Schwert?

Reduziert auf die wesentlichen Elemente, handelt es sich bei einem Schwert um eine lange Klinge, die einen Handgriff an einem Ende hat und deren Schwerpunkt nahe am Griff liegt. Länge und Form der Klinge bestimmen die Schwertart. Die Größe des Griffs gibt Aufschluss darüber, ob es sich um eine Einhandwaffe oder um eine Zweihandwaffe handelt, wobei es auch Zwischenformen gibt, die sogenannten Bastardschwerter (auch bekannt als Anderthalbhänder).

Je nach Typ werden Schwerter dazu verwendet, zu schlagen, zu schneiden oder zu stechen. Der Normalfall ist die Kombination aus zwei dieser Dinge, wovon eines zumeist die primäre Verwendung darstellt. Schwerter sind also entweder dazu gedacht, zu stechen, zu schneiden, zu schlagen, zu schneiden und zu stechen, zu schlagen und zu stechen oder zu schlagen und zu schneiden.

Da ich denke, dass jeder weiß, was Stechen bedeutet, möchte ich nur kurz darauf eingehen, die anderen beiden Angriffsformen zu erklären und voneinander abzugrenzen.

Ein Schlag mit einem Schwert ist ähnlich einem Schlag mit einer Keule, nur dass die Ausrichtung der Schneide wichtig ist, denn geschlagen wird natürlich mit der schmalen Seite der Klinge. Diese sogenannte Schneide verstärkt auch die Wundwirkung des Angriffs, aber dies geschieht beim Schlagen nicht durch einen echten Schnitt, sondern dadurch, dass die Schneide die Wucht des Angriffs auf einen extrem winzigen Bereich konzentriert. Ein Schwert funktioniert dabei nach dem gleichen Prinzip wie eine Axt. Die resultierende Wunde ist gerissen, nicht jedoch geschnitten.

Während eine Klinge bei einem Schlag mit der Schneide gegen das Ziel beschleunigt wird und dabei die gespeicherte Energie über die schmale Schneide auf das Ziel überträgt, handelt es sich bei einem Schnitt um eine Bewegung entlang der Klingenausrichtung. Die Schneide funktioniert dabei nach dem gleichen Prinzip wie eine Säge.

Wer experimentell erleben möchte, welchen Unterschied dies macht, der kann ja einfach mal folgenden Versuch durchführen: Rollt ein paar Blatt Papier zusammen auf und versucht nun, sie mit einem scharfen Messer in der Mitte entzweizuschlagen. Ihr werdet sehen, dass viel Schwung und Kraftaufwand nötig sind, um irgendein Ergebnis zu erzielen. Setzt ihr nun jedoch das Messer an und schneidet durch das Papier, werdet ihr sehen, dass sehr viel weniger Kraft nötig ist, dafür aber eine Menge Bewegung. Genauso ist das auch bei Schwertern. Schläge sind kraftvoll und schnell, Schnitte sind vor allem bewegungsintensiv und erfordern hohe Präzision.

Aufbau eines Schwertes

Um spezifische Arten von Schwertern beschreiben und voneinander abgrenzen zu können, ist es wichtig, die Fachsprache zu verstehen und die einzelnen Teile eines Schwerts benennen zu können.

1. Die Klinge. Die flachen Seiten nennt man Blatt, der scharf geschliffene Teil ist die Schneide, welche oft in einer Spitze endet. Ungeschliffene Teile am Anfang der Klinge bezeichnet man als Fehlschärfe oder auch als Ricasso. Die Form in der Seitenansicht nennt man das Profil der Klinge, aber auch der Querschnitt einer Klinge wird verwirrenderweise oft als Profil bezeichnet. Lange Vertiefungen im Blatt nennt man Hohlkehle. Einige Schwerter haben aus der Klinge herausragende Parierhaken. Den Teil der Klinge, der in den Griff hineinragt oder durch ihn hindurch, nennt man die Angel oder den Erl. Englisch heißt die Angel Tang, ein Begriff, der im Internet auch oft in deutschsprachigen Texten Verwendung findet und daher der Vollständigkeit halber genannt werden muss.

2. Das Heft. Auch Griff genannt.

3. Der Knauf.

4. Die Parier. Je nach Form auch Parierstange. Zusätzlich möglich sind seitlich angebrachte Parierringe, ein Nagel genannter herausstehender Handschutz, Parierbügel, Fingerringe oder Parierkörbe. Die Parier kann auch die Form einer Parierscheibe annehmen.

Drei Schwerttypen mit ihren Elementen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Schwert keineswegs über alle diese Teile verfügen muss. Die einzig notwendigen Teile sind eine Klinge und ein Heft. Dabei kann beides sogar aus einem einzigen Stück bestehen, wie es bei einigen gegossenen Bronze- und Eisenschwertern der Fall war.

Funktion der Komponenten

Nun wissen wir, wo sich die wichtigsten Komponenten eines Schwerts befinden und wie man sie nennt. Werfen wir einen Blick darauf, wozu sie überhaupt gut sind bzw. welche Funktion sie haben.

Klinge

Die Klinge ist, was ein Schwert überhaupt erst zu einem Schwert macht. Sie ist je nach Schwerttyp einseitig oder beidseitig geschliffen und kann über eine Spitze für Stöße verfügen. Alternativ gibt es auch Schwerter, die überhaupt keine geschliffene Schneide haben, sondern ausschließlich für Stöße benutzt werden können. Man spricht dann treffend von einem Stoßschwert oder einem Stecher. Diese Waffen zählen jedoch nur zu den Schwertern, weil sie aus Schwertformen entstanden sind. Genau genommen sind Stoßschwerter eher mit einhändig zu führenden, sehr kurzen Speeren vergleichbar.

Da Schwerter aller Arten vorwiegend mit dem vorderen Teil der Klinge Kontakt zum Ziel haben, ist es unnötig, die gesamte Klinge scharf zu schleifen. Besonders das untere Drittel zum Heft hin wird oft nur mäßig geschärft oder direkt als Fehlschärfe ausgeführt und völlig stumpf belassen. Der Vorteil einer Fehlschärfe ist, dass man sie bei Bedarf selbst besser greifen kann, um in bestimmten Kampfsituationen mehr Kontrolle über die eigene Waffenführung auszuüben. Besonders bei sehr langen Schwertern wie dem Bastardschwert, dem Langschwert und dem Zweihänder ist die Fehlschärfe ein wichtiger Teil der Waffenführung.

Viele Klingen verfügen über eine sogenannte Hohlkehle oder sogar über mehrere davon. Manche Schwerter haben zwei, manche drei und einige sogar mehr als das. Üblich sind aber eine oder zwei. Die Hohlkehle wird entweder beim Schmieden aus der Klinge herausgearbeitet oder nachträglich hineingeschliffen oder -gefräst. Der Zweck der Hohlkehle ist es, das Querschnittsprofil der Klinge zu verändern. Dadurch wird die Klinge leichter, ohne jedoch an Stabilität zu verlieren. Der Effekt ist vergleichbar mit im Haus- und Maschinenbau verwendeten T-Trägern. Die Hohlkehle wird oft als Blutkehle bezeichnet und ist von zahlreichen Mythen umrankt, etwa dem, dass sie dafür sorgen soll, dass das Blut bei einem Stich besser aus dem Ziel herauslaufen kann oder das Blut nicht der Klinge entlangrinnt, sondern durch die Blutkehle aufgefangen und abgelenkt wird. Das ist jedoch Unfug. Obgleich der Begriff umgangssprachlich durchaus verwendet werden kann, ist er unter Fachleuten derart verpönt, dass es ratsam ist, ihn sich gar nicht erst anzugewöhnen.

Wie bereits erwähnt, gibt es Schwerter, die über sogenannte Parierhaken verfügen. Diese ragen seitwärts aus der Klinge heraus und sind gerade oder nach vorn gebogen. Sie schützen die zweite Hand des Kämpfers, wenn dieser zur verkürzten Führung sein Schwert an der Fehlschärfe greift. Dies kommt praktisch nur bei besonders großen Zweihandschwertern vor und wird nach dem italienischen Namen der Fehlschärfe auch Ricassoführung genannt.

Ein von Laien oft übersehener, aber äußerst wichtiger Teile einer Schwertklinge ist die Angel. Wenn die Angel bricht, hat der Kämpfer bald nur noch den Griff des Schwerts in der Hand, denn die Angel ist es, die Klinge und Heft zu einer Einheit verbindet. Die klassische Schwertangel ist rund oder eckig und führt durch den gesamten Griff hindurch bis in den Knauf des Schwerts hinein oder durch diesen hindurch. Dort ist sie entweder verschraubt, verpilzt oder umgebogen. Dabei ist das verpilzte Flachschlagen des Angelendes die häufigste Variante.

Eine Ausnahme sind sogenannte Flachangeln. Dabei ist die Angel genauso breit wie der Griff, welcher in Form von zwei Schalenhälften auf die Angel aufgelegt und mit Nieten befestigt ist. Diese Form der Montage nennt man auch Messergriff. Man kennt das klassisch von den meisten Küchenmessern, aber auch vom sogenannten Kriegsmesser. Eine Sonderform der Flachangel ist die asiatische Flachangel, bei der die Fixierung zwar über eine oder mehrere Nieten erfolgt, der Griff aber die Angel dennoch umschließt und oft aus einem Stück besteht. So beispielsweise beim japanischen Katana.

Parier

Die Parier einer Waffe dient zuallererst dazu, die Waffenhand des Kämpfers zu schützen, und man spricht überhaupt erst dann von einer Parier, wenn sie dazu auch ansatzweise imstande ist. Die frühesten Schwerter hatten lediglich Verdickungen zwischen Klinge und Heft, die der Montage der Klinge dienten und daher keine Parier waren. Das römische Kurzschwert (Gladius) oder das keltische Langschwert (Spatha genannt, aufgrund der Übernahme durch die Römer) sind Beispiele für Schwerter ohne Parier. Bei beiden dient die Verdickung zwischen Griff und Klinge der Griffmontage sowie dazu, zu verhindern, dass die Hand bei einem Stoß auf die eigene Schneide rutscht. Dies ist besonders oft auch bei Dolchen zu sehen.

Die klassische Form einer Parier ist die sogenannte Parierstange oder der Parierbügel. Eine Parierstange ragt in Ausrichtung der Klinge über dem Heft heraus. Eine gegnerische Schnittwaffe kann dann nicht mehr an der eigenen Schneide entlang hinabrutschen und die Finger des Kämpfers verletzen. Da sie außerdem hervorragt, kann die Parier die Hand oft auch vor solchen Schlägen schützen, die nicht an der Klinge entlanggeglitten sind.

Parierstangen sind vor allem bei Waffen üblich, deren Klinge zu beiden Seiten als Schneide geschliffen ist, denn sie schützen in beiden Richtungen. Schwerter mit einschneidiger Klinge verfügen häufiger über einen Parierbügel, der besseren Schutz in die vorgesehene Richtung bietet, dafür aber nur wenig bis gar keinen in die andere. Da man aber ein einschneidiges Schwert nie verkehrt herum benutzen möchte, ist dies nur selten ein Problem.

Die Parier kann verschiedenste Formen haben und ist einer der vielseitigsten Schwertteile überhaupt. Sie kann aufwärts gebogen sein oder abwärts, aus einem Stück oder verästelt und verzweigt, mit zusätzlichen Ringen, Bolzen oder Knebeln an den Seiten oder gar als Parierkorb ausgeführt, wie beispielsweise bei einem Rapier. Einige Pariere verfügen sogar über zusätzliche Vorrichtungen, um dem Kämpfer mehr Kontrolle über die Klinge des Gegners zu geben, ihm diese womöglich sogar zu entreißen. Solche Elemente sind vor allem bei speziellen Parierdolchen zu finden.

Der grundlegende Zweck der Parier ist aber stets der gleiche: Schutz für die Schwerthand.

Heft

Das Heft eines Schwerts ist das Bindestück zwischen Klinge und Knauf sowie der Griff der Waffe. Das Griffstück selbst ist oft aus Holz, umwickelt mit weiteren Materialien. Welches Material verwendet wird, hängt von der Schwertform ab und von der Präferenz und der Kampfweise des Nutzers. Wer mit schweren Handschuhen sein Schwert führen will, braucht einen rauen Griff mit groben Strukturen, damit die Hand durch den Handschuh guten Halt findet. Solch ein Griff ist mit der nackten Hand oft scheußlich zu greifen. Ein mit Silberdraht umwirkter Samtgriff hingegen ist eher unvorteilhaft und geht obendrein kaputt, wenn man Panzerhandschuhe trägt. Da das Heft der Teil des Schwerts ist, der am sichtbarsten ist, wann immer das Schwert in der Scheide transportiert wird, finden sich hier oft die meisten Schönheitsverzierungen der Waffe. Dabei werden nicht selten auch Abstriche an den Kampfwert gemacht, wenn die Repräsentation größere Bedeutung hat als die Selbstverteidigung.

Knauf

Man könnte die Bedeutung des Schwertknaufs leicht unterschätzen, aber für ein gutes Schwert ist er von großer Wichtigkeit. Schwerter sind von Natur aus kopflastig, da man sie am untersten Ende der Waffe hält. Erst der Knauf wirkt der Klinge als Gegengewicht entgegen und zieht so den Schwerpunkt der Waffe näher zum Heft. Warum das wichtig ist, werde ich später noch erläutern, wenn es um die Verwendung des Schwerts und seine Rolle in Kampf und Alltag geht.

Zusätzlich zu seiner Funktion als Gegengewicht ist der Knauf auch oft Teil der Montage der Klinge. Deren Angel führt üblicherweise durch das Heft hindurch und in den Knauf hinein oder durch ihn hindurch. Die Angel ist dann im Knauf verschraubt oder sie wird hinter dem Knauf fixiert. Entweder mittels einer aufgeschraubten Mutter, üblicherweise jedoch, indem das Ende der Angel einfach pilzförmig hinter dem Knaufloch flach-geschlagen wird. Oft hat der Knauf dazu ein konisch geweitetes Loch, sodass die Angel sich danach keinen Millimeter mehr lösen kann.

Schwert, Säbel, Messer?

Wie bereits dargelegt, ist kaum eine Waffe so vielseitig in ihren Ausprägungen und Formen wie das Schwert. So zahlreich wie die Varianten sind auch die Namen und Typenbezeichnungen von Schwertern. Wer sich für die ganze Detailfülle interessiert, dem empfehle ich das Standardwerk zu Schwertformen von Ronald Ewart Oakeshott: The Archaeology of Weapons.

Wichtig ist zu beachten, dass alle Waffen, die den vorangestellt genannten Kriterien entsprechen (Klinge mit Griff am Ende), Schwerter sind. Auch ein Säbel ist ein Schwert, nur eben eine spezifische Schwertform. Eine spezifische Schwertform, die heimtückischerweise gar nicht so spezifisch ist, wie man es sich wünschen möchte.

Das Problem ist nämlich, dass es drei verschiedene Arten der Schwerttypisierung gibt.

Typisierung nach Griff

Vor Oakeshott wurde vor allem nach der Form des Griffs unterschieden, völlig ungeachtet der Klingenform. Besonders deutschtümelige Historiker sprechen dabei gerne vom sogenannten Gefäß, der Gesamtheit aller Waffenteile mit Ausnahme der Klinge. Unglücklicherweise sagt die Griffform nicht das Geringste über die Klingenform aus.

Typisierung nach Klinge

Oakeshott typisierte Schwerter nach ihren Klingenformen und sortierte separat verschiedene Formen von Parier- und Griffmodellen. Er bildete damit eine Art Baukastensystem zur Benennung mittelalterlicher Schwertformen, mit Schwerpunkt auf der Klinge selbst, als natürlichem Herzstück jedes Schwerts. Da die Klingenform mehr über die Verwendung der Waffe aussagt als die Form des Griffs, ist diese Methode präziser. Oakeshotts darüber hinausgehender Griffbaukasten rundet dieses System wirksam ab.

Typisierung frei nach Schnauze

Eine leider ebenso häufige Typisierung ist die Methode nach „was auch immer dem Autor gerade so in den Sinn kommt“, beziehungsweise dem, was sich jemand ohne groß nachzudenken einfallen lässt, der zwar mit Schwertern hantiert, sie aber nicht erforscht. Wenn alle Soldaten einer Kavallerieeinheit einen Säbel haben und einer von ihnen eine Waffe hat, deren Griff zwar genauso aussieht wie die Griffe der anderen, seine Klinge jedoch gerade ist, dann ist das sicherlich auch ein Säbel? Nein? Vielleicht?! Auch bei Unterformen tritt dieses Phänomen auf und führt zu reichlich Konfusion. Ich erwähne es hier vor allem, damit ihr euch daran erinnern könnt, solltet ihr bei irgendeiner Internetsuche mal über eine solche Ungereimtheit stolpern. Etwa wenn ein zweischneidiges und völlig gerades Schwert auf einmal als Säbel bezeichnet wird, nur weil der Träger, der es zu Lebzeiten führte, ein polnischer Kavallerist war und seine Einheit noch 50 Jahre zuvor ausschließlich Säbel führte. Solche Quellen existieren leider zuhauf.

Warum unnötig kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Noch viel wirrer wird das alles, wenn man bedenkt, dass viele Bezeichnungen und Ideen aus einer sehr speziellen Epoche stammen, wo die Geschichtsforschung stark nationalistisch geprägt, von Mythen und wirren Ideen durchzogen war und leider nicht selten von regelrechten Betrügern betrieben wurde. Besonders Schriften aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert zeichnen sich nicht selten dadurch aus, dass sie zwar sehr entschlossen und faktisch daherkommen, sich bei Prüfung der Behauptungen oft jedoch als reine Fantasieprodukte erweisen, völlig gleich, wie gewichtig der Titel der Autoren mitunter erscheint oder wie reichhaltig sie illustriert sein mögen. Bei der unnötigen Verkomplizierung taten sich derweil dabei vor allem deutsche Historiker hervor, die eine vollkommen unübersichtliche Vielzahl mitunter höchst seltsamer Spezialbegriffe erfanden. Dabei war der Kreativität kaum eine Grenze gesetzt, genauso wenig wie der Lust am Disput und der bürokratischen Kategorisierung um ihrer selbst willen.

Es ist daher empfehlenswerter, eher dem Vorbild Oakeshotts zu folgen, denn obgleich keineswegs alle seiner Ideen und Schlüsse unumstößlich richtig sind (was er auch selbst wusste), so ist doch sein System der Typisierung äußerst vielseitig, vorbildlich und ungemein nützlich. Oakeshotts lebenslange Forschung, die von einer beeindruckenden Leidenschaft getrieben wurde, bildet zudem einen hervorragenden Gesamtüberblick und ist in ihren zentralen Punkten auf dem Stand moderner, wissenschaftlicher Methodik.

Ich folge daher dem heutigen Zeitgeist, hier übergreifend von Schwertern zu sprechen und nicht etwa von „Waffen der Klasse der Hieb- und Stoßwaffen mit ausgeprägter Handhabe, die Ordnung der Griffwaffen bildend, zu unterscheiden in Arten, Muster und Modelle sind“, wie es einige Waffenhistoriker des 18. Jahrhunderts getan hätten.

Unterscheidung verschiedener Schwertarten

Vereinfacht kann man bezüglich der Handhabung unterscheiden in Hiebschwert, Säbel und Stoßschwert, getrennt nach der primären (wenn auch nicht zwingend einzigen) Wirkweise der Waffe: Hieb, Schnitt und Stich.

Das Hiebschwert ist vor allem auf Hiebe ausgelegt. Es muss nicht zwingend eine Spitze haben. Hiebschwerter können einschneidig oder zweischneidig sein, und die Klinge ist gerade oder höchstens leicht gekrümmt. Bekannte Vertreter des Hiebschwerts sind das Spatha, das Wikingerschwert, das klassisch mittelalterliche Ritterschwert sowie die meisten Entermesser und Macheten.

Der Säbel zeichnet sich durch seine stark geschwungene Klinge aus. Die Wundwirkung entsteht nicht bloß durch Hiebkraft, sondern durch Schnittwirkung. Da diese Wirkung direktional ist, vorgegeben durch die Krümmung, ist es nicht nutzbringend, beide Seiten der Klinge zur Schneide zu schärfen. Daher sind die meisten Säbel nur einschneidig oder haben lediglich an der Spitze eine rückwärtige Schneide, zur Verbesserung der Stoßwirkung und für Rückschläge. Ein Säbel muss auch nicht zwingend für Stöße geeignet sein und muss daher auch nicht unbedingt über eine Spitze verfügen. Bekannte Vertreter sind das altägyptische Kopesh, der osteuropäische Szabla, das indische Tulwar oder der Scimitar.

Das Stoßschwert wiederum ist primär oder ausschließlich für Stöße konzipiert. Manche Stoßschwerter haben nur eine rudimentäre Schneide oder sogar überhaupt keine Klinge. Klassische Vertreter dieser Schwertform sind einige Varianten des Rapiers, das Estoc, das Bettschwert sowie sämtliche Florette, viele Degen und die Mehrheit aller Seitschwerter.

Zusammenfassung

Das Schwert ist eine Waffe, bestehend aus einem Griff und einer ausbalancierten Klinge, mit oder ohne Stoßspitze und in seltenen Fällen ohne Schliff. Schwerter können gerade oder krumm sein, und sie können verschiedene Formen von Griffen haben. Ihre primäre Funktion ist entweder, zu schlagen, zu stoßen oder zu schneiden.

Im nächsten Artikel geht es, nun, da wir zur Genüge geklärt haben, was ein Schwert überhaupt ist, um die Bedeutung und die Verwendung des Schwerts sowie darum, warum das Schwert einen so hohen Stellenwert hat.

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