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Vom Gewalthuhn und vom Hühnerfrieden – Geschichtskrümel 18

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Das mittelalterliche Huhn steht im Mittelpunkt so mancher dörflichen Interaktion. Es ist eine der Währungen für Transaktionen zwischen Obrigkeit und Bauernschaft.
Wie wichtig das Huhn war, können wir daran erkennen, wie viele Spezialwörter es zum Huhn gibt. Im Deutschen Rechtswörterbuch finden wir immerhin 136 Einträge zum Huhn, darunter nicht nur das eingangs erwähnte Gewalthuhn, sondern auch solche Spezialhühner wie das Minnehuhn oder das Ehrenhuhn.
Zudem ist das Huhn auch ein wichtiges Symbol der Anwesenheit menschlichen Lebens. Wo es brennt (also ein Herdfeuer ist), da findet sich auch immer das Huhn. Das erkennen wir auch an dem Rauch- oder Feuerhuhn (das auch ein angemessener Feind für Jung-Helden sein könnte … aber ich schweife ab.), welches als regelmäßige Zinsleistung für einen intakten Bauernhof fällig wurde.
Wer nicht wollte, dass seine Nachbarn seine Hühner als Schädlinge totschlagen oder einbehalten, sollte besser Sorge dafür tragen, dass sie den Hühnerfrieden einhalten. Das ist die Distanz vom Hof, bis zu dem die Hühner nicht vogelfrei sind. Man legt sie fest, indem man wirft: Ei, Sichel Hammer, Huhn … Da, wo‘s landet, endet auch der Hühnerfrieden.
Der Nutzen eines Huhns endet aber nicht bei seiner Fähigkeit, Eier zu legen oder im als Brathuhn den Hunger zu stillen. Es war auch eine gute Währung für Bestechung (Geschenke) jeder Art.
Wer zu seinem Herrn muss, der sollte vielleicht ein Ehrenhuhn mitbringen, und wenn mal wieder Zinstag ist, dann wird beispielsweise das Fasnachts- oder das Weihnachtshuhn fällig. Zum Gericht hingegen bringt man das Gewalt- oder Zwinghuhn. Das Huhn geht irgendwann verloren, aber der Hühnerzins bleibt und wird als Hühnergeld entrichtet. Das nennt man dann hühnern.

„Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quelle: aus dem Kapitel „Das Huhn und der Feudalismus“ in: Kuchenbuch, Ludolf: Reflexive Mediävistik. Textus – Opus – Feudalismus. Campus Verlag: Frankfurt am Main, 2012. 479–484.

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