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Kochen als Herausforderung – die Schiffsküche während des Age of Sail – Geschichtskrümel 17

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Auch wenn heutzutage nicht mehr jeder kochen kann, so geschieht das doch im Allgemeinen unter recht gemütlichen Bedingungen. Meist hat man genug Platz, die Zutaten sind frisch, und die Gefahr von Feuer ist minimal. Zumal die wenigsten für 50, 60 oder noch viel mehr Personen kochen müssen.

Nicht so an Bord eines Schiffes während der großen Zeit der Segelschifffahrt. Diverse Probleme mussten dabei gelöst werden. Erst mal war der Platz immer knapp, und der Koch und seine Helfer mussten mit schlechtem Licht in engen Kombüsen schuften. Dazu kam die stete Gefahr von Feuer, die zu umsichtiger Handhabung zwang, während gleichzeitig das Brennmaterial irgendwo untergebracht werden musste. Nebenbei waren die Zutaten beschränkt, und die Küche, die ja zwingend aus schwerem Eisen oder Ziegel war, sollte nach Möglichkeit nicht zu viel Gewicht auf die Waage bringen, da sie ansonsten die Ladekapazität reduzierte oder die Balance des Schiffes veränderte. Zudem konnte es jederzeit passieren, dass das Schiff in schwere See oder gar einen Sturm geriet. Gerade bei schwerer See brauchten die Seeleute irgendwann ihr Essen, um die Energiemengen zu decken, die ein Matrose am Tag brauchte (bis zu 5000 Kalorien Tagesverbrauch sind bei schwerer See durchaus drin).

Mr. Joseph Colliers “improved ship stove that may also be used in drying houses” von 1807, der allerlei Probleme lösen sollte. Solche Patente gab es immer wieder, denn die stete Verbesserung der Küchentechnologie für Schiffe war nicht unwichtig für den Überseehandel.

Was genau gegessen wurde, hing davon ab, wohin man unterwegs war und ob der Kapitän sich bemühte, eine gute Verpflegung sicherzustellen. Die Geschichten vom madenzerfressenen Schiffszwieback mit altem Salzfleisch sind ja gemeinhin bekannt, aber es war grundsätzlich auch möglich, zu essen, als wäre man an Land – wenn man den Aufwand betrieb, regelmäßig frische Rationen aufzunehmen. Die Qualität hing ganz davon ab, was der Schiffseigner auszugeben bereit war, sprich, wie viel vom Gewinn seiner Handelsfahrt er opfern mochte.

Eine gute Versorgung kostete nicht nur Geld, sondern musste auch organisiert werden. Entweder man hatte eine Versorgungskette, die mit Versorgungsschiffen die eigene Flotille versorgte, oder man verfügte über Kontakte und Geld, sich in Häfen regelmäßig einzudecken. Eines kostete es allerdings immer: Zeit. Ein oder zwei Tage dauerte allein das Umladen und Verstauen.

Neben dem Erwerb von Brennmaterial und Lebensmitteln musste besonders die Frischwasserversorgung gewährleistet werden. Auch hier spielte die Küche eine Rolle. Zwar wurde das Wasser im Allgemeinen in Fässern gelagert (später in Tanks aus Metall), aber bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert wurde auch auf einigen Schiffen Meerwasser destilliert. Hierzu wurde die Hitze der Küche benutzt, um Wasser zu verdampfen, welches dann wieder aufgefangen wurde. Allerdings waren diese frühen Destillatoren noch ziemlich ineffizient.

„Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quellen: Quellen: Clifford, Helen: Patents for Portability, Cooking Aboard Ship 1650–1850. In: Proceedings of the Oxford Symposium on Food and Cookery 1996, S. 52–56.

https://csphistorical.com/2016/01/24/salt-pork-ships-biscuit-and-burgoo-sea-provisions-for-common-sailors-and-pirates-part-1/

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