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Geldwert in der Vormoderne, Teil 2 – Geschichtskrümel 14

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Nachdem ich im ersten Teil etwas über das Einkommen einer durchschnittlichen Familie gesagt habe, möchte ich nun darauf eingehen, was man sich für Geld früher eigentlich so kaufen konnte. Kurz: Was ist die Kaufkraft unseres durchschnittlichen Handwerkers im 16. Jahrhundert?

Mit seinen 12 Albus Verdienst am Tag kann er keine großen Sprünge machen, aber arm ist er immerhin nicht. Was kosten Dinge denn nun? Ein Pfund Schweinefleisch schlägt mit 12,5 Albus zu Buche. Täglich Fleisch ist also vom Tisch, wenn dann eine eher geringe Menge. Ein paar Heringe hingegen sind durchaus drin, denn so ein Hering kostet ihn nur 5 bis 10 Heller (ca. ein halber Albus). Butter zum Brot kann man sich schon einmal leisten, denn das Pfund ist für 6 Albus zu haben. Ein bisschen Pfeffer ist hin und wieder auch drin, denn 1 Lot Pfeffer kostet 1–2 Albus. Die Milchpreise waren oftmals von der Obrigkeit reguliert und entsprechend bezahlbar. Mit einem Albus pro Liter wäre er dabei. Zumal auch Metzger und Bäcker ihre Preise nur schwer nach oben treiben konnten. Die Verdienstspannen lagen selten über 4–8 %. Großkaufleute konnten mit gut 10 % durchschnittlichen Reingewinns rechnen.

Das Problem ist natürlich, dass viele Leute gar keine ausgebildeten Handwerker waren und als einfache Hilfsarbeiter entsprechend bestenfalls die Hälfte von dem verdienten, was der Handwerker einsackte. Dann heißt es sehr schnell, dass man sich nur noch von Getreidebrei und Leichtbier ernährte. Wobei gerade in Westeuropa das Brot den Standard darstellte. Lieber schlechtes Brot als Brei war hier die Devise.

Was unterschied aber den Reichen vom Armen? So einiges! Der Unterschied zeigte sich sehr schnell, wenn man die Haushaltsgegenstände und die Ernährung vergleicht. Hatte man den Luxus einer Daunenmatratze oder schlief man auf Stroh? War alles aus Holz und krudem Ton oder hatte man Kupfergeschirr und glasierte Töpferware? Verzehnfachungen im Preis waren dann sehr schnell keine Seltenheit.

Der reiche Mann isst zudem deutlich teurer. Die Tagesmahlzeiten eines Ritters waren preislich schnell beim doppelten oder dreifachen Tageseinkommen eines Handwerkers. Da ist dann eben auch dieses Pfund Fleisch mit dabei, und statt Leichtbier gibt es Wein aus Frankreich (Importe waren bereits damals häufig und üblich). Ein Ritterhaushalt verschlang schnell einmal 60–100 Englische Pfund im Jahr. In heutige Euros umgerechnet (wie im letzten Artikel gesagt, mit Vorsicht zu genießen), entspräche das ca. 1,2 Millionen Euros.

Auch bei Waffen ist das eine spannende Sache. Ein einfacher Sold-Soldat verdiente in der Mitte des 16. Jh. gut 4 Gulden pro Monat. Davon musste er etwas mehr als ¼ für seine Verpflegung aufbringen. Außerdem war er für seine Ausrüstung selbst verantwortlich, und die schlug durchaus mit einem ansehnlichen Preis zu Buche. Ein taugliches Schwert fraß das Einkommen eines ganzen Monats auf, und seine Büchse war noch einmal so teuer. Wollte er auch noch einen Brustharnisch und einen Helm, waren bereits wieder 1,5 Monatseinkommen verplant.

Das führte manchmal auch zu absurden Situationen. Da der Sold englischer Soldaten über fast 100 Jahre nicht anstieg, musste ein Bonus dafür gezahlt werden, dass Soldaten ihre Rüstung auch trugen und darin übten, denn sie wollten nicht, dass sie Schaden nahm. Da die Soldaten allgemein immer mehr als austauschbar angesehen wurden und sogar die Musketenkugeln, die sie verschossen, von ihrem Sold abgezogen wurden, sank das Einkommen von Kämpfern über die Jahrhunderte drastisch. Noch im 15. Jhdt. waren Söldner eine teure Angelegenheit gewesen.

„Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quellen:

Pies, Eike: Löhne und Preise von 1300 bis 2000. Abhängigkeit und Entwicklung über 7 Jahrhunderte, 5. Auflage. Verlag E. & U. Brockhaus: Wuppertal, 2006.

Tukker, Annelies: Relative Wages in Fifteenth Century York (Master Thesis), 2012.

Kahnt, Helmut & Knorr, Bernd: Alte Maße, Münzen und Gewichte. Bibliographisches Institut Mannheim: Mannheim, 1987 (1986).

Williams, Alan: The Knight and the Blast Furnace. A History of the Metallurgy of Armour in the Middle Ages & the Early Modern Period. Brill: Leiden, 2003. S. 41–43.

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