AntikeGeschichtskrümel

Ambitionen von Thutmosis – Geschichtskrümel 9

Lesezeit: 3 Minuten

Die Nachfolge nach dem Tod von Pharao Thutmosis II. (15. Jh. v. Chr.) verlief in geordneten Bahnen. Zumindest vorläufig. Thutmosis III. übernahm zusammen mit seiner Stiefmutter Hatschepsut die Herrschaft in Ägypten. Einige Jahre nach dem Beginn der gemeinsamen Herrschaft riss Hatschepsut die Alleinherrschaft an sich. Etwas, das Thutmosis nicht auf sich sitzen ließ. Da Rache am besten kalt serviert wird, servierte er Hatschepsut den Gerüchten nach in ihrem 22. Regierungsjahr ab und schwang sich zum Alleinherrscher auf.

Relief von Thutmosis III. aus Luxor
Relief von Thutmosis III. aus Luxor. (Rüdiger Stehn / CC BY-SA)

Ab diesem Zeitpunkt begannen die jährlichen Feldzüge des von Thutmosis III. Der erste führte ihn nach Kanaan, wo lokale Herrscher gegen ihn rebelliert hatten. Nach 10 Tagen Marsch hielt er Kriegsrat mit seinen Getreuen, denn eine Entscheidung musste getroffen werden.

Es galt die schwer befestigte Stadt Megiddo zu erobern. Drei Wege führten dorthin. Die nördliche und die südliche Route führten durch zwei Täler. Die dritte Route hingegen war schmal und führte über einen Pass, Wadi Ara. Diese Option hatte dafür den Vorteil, dass die Route direkt bis Megiddo führte.

Thutmosis‘ Generäle plädierten für die nördliche oder die südliche Route, denn die breiten Täler brachten nicht die Gefahr mit sich, in einen Hinterhalt zu geraten. Etwas, was eine Armee auf dem Marsch unbedingt vermeiden wollte, denn sie wäre dann nicht in Formation, und die Flanken wären in Gefahr.

Thutmosis entschied sich für die zentrale Route über den Pass. Er argumentierte, dass seine Feinde niemals damit rechnen würden, dass er so dumm wäre, seine Armee der Gefahr eines Hinterhalts auszusetzen. Die ägyptische Armee brauchte fast 12 Stunden, um den Pass zu überqueren, aber Thutmosis‘ Dreistigkeit hatte sich ausgezahlt.

Vor den ägyptischen Soldaten lag Megiddo, bereit, gepflückt zu werden wie ein reifer Apfel. Rund um die Stadt herum waren die Heerlager, die verlassen waren. Die Armeen der Kanaaniter waren wie erwartet aufgeteilt auf die beiden Täler im Norden und Süden.

Es hätte ein Geniestreich sein können. Hätte. Denn Thutmosis machte den Fehler, seinen Leuten zu erlauben, das Heerlager zu plündern. Diese Zeit nutzten die wenigen Verteidiger der Stadt – Alte und Kinder –, um die Tore zu schließen. Die Belagerung dauerte 7 Monate, bis die Ägypter die Stadt endlich nahmen.

Knapp 3400 Jahre später wiederholte General Edmund Allenby im Ersten Weltkrieg die dreiste Idee des Thutmosis und überraschte mit einer zügigen Durchquerung des Wadi Ara die Garnison bei Megiddo, wo er ohne Verluste Hunderte deutsche und türkische Soldaten gefangen nahm. Er hatte die englische Übersetzung der Geschichten von Thutmosis III. gelesen.

Luftaufnahme der Ruinen von Megiddo.
CC-BY-SA-3.0, Avram Graicer

„Geschichtskrümel“ ist eine wöchentlich erscheinende Serie aus Kurzartikeln. Die Geschichtskrümel drehen sich um historische Ereignisse oder Themen, über die ich in meinem Alltag stolpere. Sie sind manchmal lehrreich, manchmal skurril und manchmal einfach nur lustig.

Quelle: Cline, Eric H.: 1077 B.C. The Year Civilization Collapsed. Princeton University Press: Princeton, 2015. S. 26–30.

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